Die Sonne, Abbild der Heiligen Dreifaltigkeit

Die Sone, Abbild der Heiligen Dreifaltigkeit

Die Heilige Dreifaltigkeit ist ein wesentliches Element in der christlichen Religion, aber die Kirche hat sie irgendwohin abgeschoben; keiner weiß wohin. Solange aber die heilige Dreifaltigkeit ein Mysterium ist, hat man nicht das Recht, sich mit ihr zu beschĂ€ftigen. Sagt den Christen, sie sei erreichbar und sogar greifbar, so werden sie euch antworten, das sei GotteslĂ€sterung, denn im Allgemeinen muss fĂŒr sie die Gottheit irgendwo weit weg sein. Man kann sie weder sehen noch kontemplieren noch sich ihr nĂ€hern. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Menschen so weit von Gott entfernt sind, dass sie Ihn nicht mehr fĂŒhlen, dass Er nicht mehr in ihnen wohnt, und dass sie sich folglich natĂŒrlich dem unmoralischsten und unsinnigsten Tun hingeben.

In der neuen Moral, der neuen Philosophie, die kommt und sich ĂŒber die Welt ausbreiten wird, sind die geistigen Wirklichkeiten so nahe, erreichbar und greifbar, dass man sie jeden Tag verstehen, leben, fĂŒhlen und sich mit ihnen vereinigen, mit ihnen kommunizieren kann. Jeden Tag wird man sich mit einer so außergewöhnlich lichtvollen Nahrung ernĂ€hren, dass man sich zwangslĂ€ufig wandeln muss. Denn nur durch das Aufnehmen einer anderen Nahrung in allen Bereichen kann sich der Mensch wahrhaft wandeln.

Das Bild der Sonne ermöglicht uns die AnnÀherung an die fernsten geistigen Wahrheiten.

Wenn ich von der Sonne spreche, handelt es sich nicht nur um das Gestirn, das in der physischen Welt strahlt, sondern es ist auch die Intelligenz mit ihrem Licht, die Liebe, die Begeisterung fĂŒr alles Positive und Aufbauende, und es ist auch das Leben, das geistige Leben, das reine Leben. Also ist die Sonne ein Symbol dieser drei höheren Prinzipien WĂ€rme, Licht und Leben.

Die drei Prinzipien der Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist finden sich im Leben, im Licht und der WĂ€rme der Sonne wieder. Der Vater ist das Leben; der Sohn ist die Liebe oder das Licht; der Heilige Geist ist das Licht oder die Liebe. Ihr erwidert: »Aber haben wir das Recht, diese drei hohen Wesenheiten im Licht, in der WĂ€rme und im Leben wiederzufinden?« NatĂŒrlich, und diese Entsprechung bietet einen unschĂ€tzbaren praktischen Vorteil, denn sie ermöglicht es uns, jeden Morgen die Heilige Dreifaltigkeit zu kontemplieren, mit ihr zu kommunizieren, uns mit ihr zu verbinden, um all ihre Segnungen zu empfangen. Sie verspricht Auferstehung und Leben.

Als die obere Welt die Welt unten erschuf, hat sie ĂŒberall ihre Spur, ihr Siegel hinterlassen, damit die Menschen sie wieder finden können. Die göttliche Welt hat in der Materie Anhaltspunkte und Zeichen hinterlassen, damit wir den Weg bis zu ihr zurĂŒck finden. Und auch die Dreifaltigkeit, die nicht vollstĂ€ndig verborgen und unerreichbar bleiben möchte, manifestiert sich in der Sonne, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sie wieder zu finden. In Wirklichkeit ist die Heilige Dreifaltigkeit weder im Licht noch in der WĂ€rme noch im Leben der Sonne. Sie befindet sich jenseits davon, aber durch dieses Licht, diese WĂ€rme und dieses Leben können wir sie erreichen, mit ihr kommunizieren, sie lieben, sie rufen und uns von ihr durchdringen lassen. Und da wir nach dem Bilde Gottes erschaffen wurden, werden auch wir zu einer Dreifaltigkeit. Übrigens sind wir durch unseren Verstand, unser Herz und unseren Willen bereits eine Dreifaltigkeit, die denkt, fĂŒhlt und handelt. NatĂŒrlich ist diese kleine Dreifaltigkeit ein wenig glanzlos, erstarrt, vereist, aber sie wird in der NĂ€he der Sonne wieder belebt und hell werden und sich erwĂ€rmen. Darin liegt ein weiterer Nutzen, wenn wir zum Sonnenaufgang gehen. Nach und nach wird unsere kleine Dreifaltigkeit lichtvoll, warmherzig und belebend wie die Sonne; sie nĂ€hert sich der großen Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Christus sagte: »Seid vollkommen, wie euer Himmlischer Vater vollkommen ist.« Aber wenn wir den Vater nie gesehen haben, woher nehmen wir das Vorbild fĂŒr Seine Vollkommenheit? Man hat den Vater nie gesehen, man weiß nicht wie Er sich Ă€ußert, wie Seine Schwingungen sind, Seine Farben, seine Macht; und all das bleibt Theorie. Hier haben wir ein Vorbild, die Sonne. Gott ist sehr hoch oben, sehr weit weg, aber in Seiner Barmherzigkeit wollte Er den Menschen die Möglichkeit geben, Ihn wieder zu finden. Er hat Spuren hinterlassen, wie einen Ariadnefaden und wenn ihr diesen Faden nehmt, so werdet ihr ĂŒber die Sonne bis zum Vater kommen. Die Sonne weist den Weg. Die Sonne gibt uns eine kleine Vorstellung davon, was der Himmlische Vater ist. Sie erklĂ€rt uns, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist eins sind, untrennbar verbunden. Die Christen haben sie getrennt, aber in Wirklichkeit sind sie eins, die drei sind eins. In der Kabbala ist die 1 die 3, und die 3 ist die 1.

Unser höheres Ich hat seinen Ursprung in der Heiligen Dreifaltigkeit.

Jeder trÀgt die Heilige Dreifaltigkeit in sich. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind bedeutende kosmische Prinzipien und das höhere Ich, die IndividualitÀt aller Menschen manifestiert die gleiche Quintessenz, die gleiche Natur, weil sie aus den drei Prinzipien Vater, Sohn und Heiliger Geist hervorgegangen ist und weil sie an den gleichen Eigenschaften teilhat. Wir tragen alle in uns einen göttlichen Funken, der von gleicher Natur, von gleicher Quintessenz ist, wie diese göttliche Dreifaltigkeit.

Es ist unsinnig, die PersonalitÀt zerstören zu wollen unter dem Vorwand, dadurch noch spiritueller zu sein; unsere höhere Natur kann auf der Erde nichts verwirklichen ohne die niedere Natur, die deren TrÀger ist. Das Bild vom Baum kann diese Vorstellung verdeutlichen.

Der Mensch wĂ€chst und entfaltet sich genauso wie ein Baum; aber ohne die Energie, die reine geistige Kraft, die durch ihn hindurchfließen kann, bleibt seine PersonalitĂ€t nackt und unfruchtbar wie ein Baum im Winter. In diesem Bild des Baumes stehen die Wurzeln fĂŒr den physischen Körper, der Stamm fĂŒr den Astralkörper und die Äste fĂŒr den Mentalkörper. Diese drei Elemente bilden die niedere Dreifaltigkeit des Menschen, wenn er in den niederen Bereichen denkt, fĂŒhlt und handelt. Doch es gibt auch noch drei andere Körper, dank derer er göttlich denkt, fĂŒhlt und handelt: seine höhere Dreifaltigkeit, die IndividualitĂ€t. Die PersonalitĂ€t und die IndividualitĂ€t sind zwei Dreifaltigkeiten und wenn es der IndividualitĂ€t des SchĂŒlers gelingt, seine PersonalitĂ€t zu durchdringen, sie zu beherrschen und sie zu unterwerfen, dann wird er zu einem vollkommenen Wesen.

Wir sind bereits eine Dreifaltigkeit und eine zweite Dreifaltigkeit sollte dazu kommen – die göttliche Dreifaltigkeit, damit sie diese niedere Dreifaltigkeit unterwirft, damit sie sich durch sie manifestiert und BlĂ€tter, BlĂŒten und FrĂŒchte hervorbringt. Und was sind das fĂŒr BlĂ€tter, BlĂŒten und FrĂŒchte? Sie haben alle eine bestimmte Funktion.

Die Lehre von Jesus in den Evangelien ist auf die Idee gegrĂŒndet, dass der Mensch eine Dreifaltigkeit ist, die mit der göttlichen Dreifaltigkeit in Verbindung treten muss. Diese Idee ist im »Vaterunser« enthalten.

Die erste Bitte des Vaterunsers: »Geheiligt werde Dein Name«, betrifft unser Denken. Um den Namen Gottes zu heiligen, mĂŒssen wir studieren, meditieren und unser Bewusstsein erhellen. Die zweite: »Dein Reich komme« betrifft unser Herz, denn in die Herzen, die voller Liebe sind, soll das Reich Gottes kommen. Die dritte Bitte betrifft unseren Willen. »Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden«, setzt Arbeit voraus, KĂ€mpfe, WiderstĂ€nde und Siege, und dafĂŒr ist Kraft und HartnĂ€ckigkeit vonnöten. Genau dafĂŒr gibt uns die Lehre Übungen und Arbeitsmethoden, die uns helfen, uns in Harmonie mit dem Himmel zu bringen, in Einklang mit ihm zu schwingen, und vor allem die Übungen mit der Sonne. Warum betrachten wir am Morgen vom Meditationsfelsen aus die Sonne? Um ihr Ă€hnlich zu werden, damit die Erde, unser physischer Körper, so wie der Himmel wird. Wenn der Mensch die Sonne betrachtet, wenn er sie gleichzeitig liebt und mit ihr in Einklang schwingt, wird er wie sie lichtvoll, warmherzig und belebend. Ihr seht, das ist eine Methode, um die Weisung »Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden« zu verwirklichen, aber es gibt noch viele andere.

Gewisse Stellen der Evangelien sind nur dank des Wissens ĂŒber die Dreifaltigkeit und die beiden Naturen des Menschen verstĂ€ndlich. Zum Beispiel:

»Bittet und es wird euch gegeben; suchet und ihr werdet finden; klopfet an und es wird euch aufgetan…« Diese Worte erklĂ€ren sich nur durch die Kenntnis der Dreiheit von Verstand, Herz und Wille, die sich im Menschen befindet. Das Bittende ist das Herz. Das Suchende ist der Verstand. Der, der anklopft, ist der Wille. Das Herz bittet weder um Wissen noch um Weisheit; es verlangt nach WĂ€rme, nach Liebe. Der suchende Verstand sucht weder WĂ€rme noch Liebe, denn er schlĂ€ft in der WĂ€rme ein. Er sucht Methoden, Licht, Weisheit. Und der Wille klopft an, weil er eingesperrt ist und die Freiheit möchte, um schöpferisch tĂ€tig sein zu können.

Das Herz hat als Ideal die göttliche Liebe. Der Verstand hat als Ideal die göttliche Weisheit. Der Wille hat als Ideal die göttliche Kraft. Freiheit erlangt man nur durch die Wahrheit, die eine Verschmelzung von Liebe und Weisheit ist. Jesus drĂŒckte das so aus: »…und die Wahrheit wird euch frei machen« (Jh 8,32).

»Ihr sollt euch nicht SchĂ€tze sammeln auf Erden, wo sie die Motten, die WĂŒrmer und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber SchĂ€tze im Himmel…« (Mt 6,19-20). FĂŒr Jesus gibt es zwei sehr unterschiedliche Arten von Banken: die Banken der Erde und die Banken des Himmels. Diese unterschiedlichen Banken sind die PersonalitĂ€t und die IndividualitĂ€t.

Interpretieren wir nun diese drei Symbole Rost, WĂŒrmer und Diebe. Der Rost kann als Symbol fĂŒr Stoffe stehen, die Metalle angreifen, und ganz allgemein fĂŒr das Mineralreich. Denn in der Hierarchie der Naturreiche entspricht das Mineralreich der physischen Ebene. Der Rost steht also symbolisch fĂŒr alles, was die physische Ebene zerstört, den menschlichen Körper.

Die WĂŒrmer hingegen befinden sich eher im Pflanzenreich. Die Pflanzenwelt entspricht im Menschen der Astralebene, der Welt des Herzens, der GefĂŒhle.

Die Diebe sind das Symbol fĂŒr unsere Feinde auf der Mentalebene. Wenn der Verstand verdĂŒstert ist, so dringen zwangslĂ€ufig Diebe ein, denn ĂŒberall, wo Dunkelheit herrscht, tauchen Diebe auf.

Jetzt versteht ihr auch die Worte Jesu: Der Himmel, wo wir SchĂ€tze ansammeln sollen, ist die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit. Denn die Wahrheit hindert den Rost an der Zerstörung, die göttliche Liebe tötet die WĂŒrmer und die Weisheit schĂŒtzt uns vor Dieben.

Dieser Text stammt aus dem Buch »Die neue Religion« von Omraam Mikhael Aivanhov, Kapitel 6: »Die Sonne, Abbild der Heiligen Dreifaltigkeit«.