Die Reinkarnation

Heute m├Âchte ich ├╝ber die Reinkarnation sprechen, denn ich sehe, da├č dieses Thema einige von euch manchmal besch├Ąftigt und beunruhigt. Sie wurden immer dahingehend unterrichtet, da├č der Mensch nur einmal lebe. Da sie nun von Reinkarnation sprechen h├Âren, sind sie verwirrt, und in ihrem Kopf herrscht Unklarheit.

├ťber dieses Thema k├Ânnte man sich lang und breit auslassen und zum Beispiel darlegen, wie die Tibeter, die Hindus und die ├ägypter dar├╝ber dachten, welche Arbeiten und Erfahrungen sie diesbez├╝glich gemacht haben. Jedoch m├Âchte ich mich darauf beschr├Ąnken, einige Bibelstellen auszulegen, und euch beweisen, da├č Jesus selbst ├╝ber die Reinkarnation Bescheid wu├čte und sie als gegeben ansah. Nun werdet ihr einwenden, da├č ihr alle Evangelien durchgelesen und nirgendwo das Wort „Reinkarnation“ gefunden habt. Aber darauf gebe ich euch zur Antwort, da├č es nicht weiter erstaunlich ist, wenn zu einer Zeit, in der alle an die Reinkarnation glaubten, diese nicht besonders erw├Ąhnt wird. Wie konnten die Evangelisten denn ahnen, da├č sie in Hinblick auf eine Zeit, in der die Menschen nicht mehr daran glauben w├╝rden, besonders davon sprechen m├╝├čten? Sie haben so wenig in ihren Schriften berichtet, da├č sie nicht extra zu etwas Stellung nahmen, was schon zur Tradition geh├Ârte. Das ├╝berzeugt euch nicht?… Nun, gut, ihr werdet nachher schon ├╝berzeugt sein.

Befassen wir uns in den Evangelien einmal mit bestimmten Fragen, die von Jesus oder von den J├╝ngern gestellt wurden, und mit den darauf gegebenen Antworten. Eines Tages fragte Jesus seine J├╝nger: „Was sagt man von mir, wer ich sei?“ Was bedeutet denn diese Frage? Habt ihr schon mal jemanden fragen h├Âren: „Was sagt man von mir, wer ich sei?“ Sie wissen, wer sie sind, und fragen sich nicht, was die anderen dar├╝ber sagen. Um eine solche Frage zu stellen, mu├č man an die Reinkarnation glauben. Und seht nur, was die J├╝nger antworten: „Die einen sagen, du seist Johannes der T├Ąufer, die anderen sagen, du seist Elia und wieder andere meinen, du seist Jeremia oder einer der Propheten.“ Wie kann man sagen, jemand sei dieser oder jener, der schon seit langem gestorben ist, wenn man nicht die Vorstellung der Reinkarnation mit einbezieht?

Ein andermal begegnen Jesus und die J├╝nger einem Menschen, der von Geburt an blind ist, und die J├╝nger fragen: „Rabbi, wer hat ges├╝ndigt, dieser Mann oder seine Eltern, da├č er blind geboren wurde?“ Hier ist es genauso. W├╝rde man solche absurden Fragen stellen, wenn man nicht an die Reinkarnation glaubte? Wann h├Ątte denn dieser Mann im Mutterleib s├╝ndigen sollen? In welche Kneipe oder in welches Nachtlokal ist er denn wohl gegangen? Oder welche unehrlichen Gesch├Ąfte hat er wohl gemacht? Wen mag er umgebracht haben? Entweder ist diese Frage unsinnig, oder aber sie schlie├čt den Glauben an ein fr├╝heres Leben mit ein.

Nun m├Âgt ihr einwenden: „Ja, aber die J├╝nger Jesu waren ungebildete Leute; es hei├čt, sie seien Fischer gewesen. Da konnten sie schon einmal etwas seltsame Fragen stellen.“ Wenn das der Fall gewesen w├Ąre, h├Ątte Jesus sie gewi├č darauf aufmerksam gemacht. Man sieht in den Evangelien, da├č er in bestimmten F├Ąllen nicht z├Âgerte, seine J├╝nger zurechtzuweisen. Hier weist er sie jedoch nicht zurecht sondern antwortet einfach: „Weder er noch seine Eltern haben ges├╝ndigt…“ Auch das ist eine wichtige Stelle. Die J├╝nger hatten gefragt, ob die Eltern ges├╝ndigt h├Ątten und ob deshalb ihr Sohn blind zur Welt gekommen sei, da sie nach dem hebr├Ąischen Gesetz gelernt hatten, da├č jede Anomalie, jedes Gebrechen und jedes Ungl├╝ck auf eine ├ťbertretung der Gesetze zur├╝ckzuf├╝hren ist, da├č aber oftmals jemand f├╝r einen anderen die Schuld s├╝hnen kann. Und wenn man demnach also jemanden im Ungl├╝ck sah, so konnte man nicht wissen, ob er f├╝r seine eigenen Fehler b├╝├čte, oder ob er sich f├╝r jemand anderen opferte.

Jedenfalls glaubten die Juden das. Da nun alles, was einem ├ťbles widerfahren kann, die Folge einer Gesetzes├╝bertretung ist, stellten die J├╝nger also diese Frage. Sie wu├čten ja, da├č ein Mensch nicht ohne Grund blind zur Welt kommen kann… oder einfach nur, weil es Gott gerade so gef├Ąllt, ihn blind sein zu lassen, wie die Christen sich das vorstellen! Jesus antwortete also: „Weder er noch seine Eltern haben ges├╝ndigt, sondern dies ist geschehen, damit die Werke Gottes an ihm offenbar werden.“ Das soll hei├čen, damit ich ihn heilen kann, wenn ich vorbeikomme, und damit das Volk an mich glaube. Und dann hat er ihnen erkl├Ąrt: „Ihr habt gelernt, da├č die Menschen aus zwei Gr├╝nden leiden m├╝ssen. Entweder haben sie ges├╝ndigt und m├╝ssen das s├╝hnen, oder, ohne selbst gefehlt zu haben, nehmen sie das Karma von jemand anders auf sich; sie opfern sich, um sich zu entwickeln. Es gibt aber noch eine dritte Gruppe. Diese haben ihre Entwicklung beendet, sie sind frei und durch nichts gezwungen, wieder auf die Erde zu kommen. Und doch kommen sie oftmals wieder, da sie es auf sich nehmen, irgendeine Krankheit, ein Leiden oder ein Gebrechen zu ertragen oder sogar zum M├Ąrtyrer zu werden, um so der Menschheit zu helfen. Nun, dieser Blindgeborene geh├Ârt dieser dritten Gruppe an. Weder er noch seine Eltern haben ges├╝ndigt. Er ist mit diesem Leiden auf die Welt gekommen, damit er durch mich geheilt werde und alle an mich glauben.ÔÇť Dadurch hat dieser Mann viele Menschen gerettet.

Und falls ihr noch nicht ├╝berzeugt seid, habe ich noch weitere Argumente. Jesus erf├Ąhrt eines Tages, da├č Johannes ins Gef├Ąngnis gekommen ist, und im Text hei├čt es dann nur: „Als Jesus von der Gefangennahme des Johannes erfuhr, zog er sich nach Galilea zur├╝ck.“ Einige Zeit darauf wird Johannes auf Befehl des Herodes enthauptet. Nach seiner Verkl├Ąrung fragen die J├╝nger Jesus: „Warum sagen die Schriftgelehrten, da├č Elia zuvor kommen mu├č?“ Und Jesus antwortet: „Es ist wahr, da├č Elia kommen mu├č und alles richten; aber ich sage euch, Elia ist schon gekommen, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm getan, wie sie es wollten.“ Dann hei├čt es weiter im Text: „Da verstanden die J├╝nger, da├č er von Johannes dem T├Ąufer sprach.“ Daraus geht klar hervor, da├č Johannes die Wiedergeburt von Elia war. ├ťbrigens berichten die Evangelien auch, da├č ein Engel Zacharias, dem Vater von Johannes, erschien, um ihm zu verk├╝nden, da├č seine Frau Elisabeth einen Jungen zur Welt bringen w├╝rde, und er sagte: „Er wird vor Gott hergehen in Geist und Kraft des Elia.“

Schauen wir uns nun einmal das Leben des Propheten Elia an, um herauszufinden, was er getan hat, da├č er enthauptet wurde, als er sich sp├Ąter als Johannes der T├Ąufer wieder inkarnierte. Das ist eine sehr interessante Geschichte. Elia lebte zur Zeit des K├Ânigs Ahab. Dieser hatte Isebel geheiratet, die Tochter des K├Ânigs von Sidon, und ihretwegen betete er Baal an. Elia ging nun hin zu dem K├Ânig Ahab und machte ihm Vorw├╝rfe wegen seiner Untreue gegen├╝ber dem Gott Israels und sagte zu ihm: „Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, es sei denn, ich sage es.“ Dann ging er auf Weisung Gottes fort und versteckte sich in den Bergen, um so den Verfolgungen des K├Ânigs zu entgehen. Nach drei Jahren hatte die Trockenheit im ganzen Land eine gro├če D├╝rre hinterlassen. Das Volk litt Hunger, und Gott sandte Elia erneut zu Ahab. Sobald der K├Ânig ihn erblickte, warf er ihm zornig vor, an dieser D├╝rre schuld zu sein. „Nein,“ entgegnete der Prophet, „die Schuld liegt bei dir, da du den Herrn verlassen hast, um dem Gott Baal zu dienen. Jetzt werden wir aber sehen, wer der wahre Gott ist. Befehle, da├č alle Propheten des Baal sich auf dem Berg Karmel versammeln sollen.“ So wurden alle Propheten zusammengerufen, und Elia sprach: „Bringt nun zwei Stiere herbei. Wir wollen zwei Altare errichten, einen f├╝r Baal und einen f├╝r den Herrn. Die Propheten sollen Baal anrufen, und ich werde den Herrn anrufen. Der Gott, der durch das Feuer antwortet, ist der wahre Gott.“

Die Propheten machten den Anfang; vom Morgen bis zum Mittag riefen sie ihren Gott an: „Baal… Baal… Baal… gib uns Antwort…“ Aber es kam keine Antwort, und Elia spottete: „Ruft ein wenig lauter, damit er euch h├Ârt. Vielleicht ist er besch├Ąftigt, oder er ist unterwegs, oder aber er schl├Ąft.“ Die Propheten riefen noch lauter, und da sie auch Magie praktizierten, machten sie sich Einschnitte am K├Ârper, weil sie hofften, durch das ausflie├čende Blut Larven und Elementargeister anzuziehen, die dann Feuer an den Altar bringen sollten. Aber es geschah nichts. Darauf sprach Elia: „Das ist nun genug; man bringe mir zw├Âlf Steine.“ Mit diesen Steinen baute er einen Altar, um den ein Graben gezogen wurde. Auf die Steine legte er Holz und auf den Holz den zerlegten Stier. Dann lie├č er alles mit Wasser ├╝bergie├čen und f├╝llte auch den Graben damit. Nun war alles bereit, und Elia rief den Herrn an: „Herr, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, la├č heute kundwerden, da├č Du Gott in Israel bist, da├č ich Dein Diener bin und da├č ich alles nach Deinem Wort getan habe!“ Und das Feuer fiel mit solcher Gewalt vom Himmel, da├č es alles verzehrte. Es blieb weder etwas Opfertier ├╝brig, noch vom Holz, von den Steinen oder vom Wasser. Das entsetzte Volk erkannte, da├č der wahre Gott der Gott von Elia war. Darauf lie├č Elia, den der Sieg wohl etwas zu stolz gemacht hatte, die vierhundertf├╝nfzig Propheten des Baal zu einem Bach hinf├╝hren, wo er ihnen den Kopf abschlug.

Darum war damit zu rechnen, da├č auch er einmal enthauptet w├╝rde. Denn es gibt ein Gesetz, das Jesus im Garten Gethsemane ausgesprochen hat, als Petrus sich auf den Diener des Kaiphas st├╝rzte und ihm ein Ohr abschlug: „Petrus, stecke dein Schwert in die Scheide, denn wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen.“ Allerdings kann man in einem einzigen Leben nicht immer die Wahrheit dieser Worte erkennen. Denn gerade Elia, wie ist er gestorben? Nicht nur, da├č er nicht umgebracht wurde, ihm wurde auch noch ein feuriger Wagen geschickt, mit dem er in den Himmel fuhr. Jedoch erhielt er die Strafe f├╝r seine Verfehlung, als er in der Person von Johannes dem T├Ąufer wieder auf die Erde kam. Jesus wu├čte, wer er war und welches Schicksal ihn erwartete. Darum tat er nichts, um ihn zu retten, obwohl er ├╝ber ihn Gro├čartiges gesagt hatte: „Unter allen, die vom Weibe geboren sind, gibt es keinen, der gr├Â├čer ist als Johannes der T├Ąufer.“ Er hat nichts unternommen, weil die Gerechtigkeit ihren Lauf nehmen mu├čte. Nun wird es klar, warum er das Land verlie├č, als er von seiner Gefangennahme erfuhr. Er durfte ihn nicht retten. Gesetz ist Gesetz.

Aber schauen wir weiter. Ich werde euch nun zeigen, da├č nichts, weder in der Religion noch im sonstigen Leben, ohne die Reinkarnation einen Sinn bekommt. Geht einmal hin zu Priestern und Pastoren und verlangt folgendes: „Erkl├Ąren Sie mir, warum der eine Mensch reich, sch├Ân, intelligent und stark ist, warum ihm alles gelingt, was er unternimmt, und warum ein anderer krank, h├Ą├člich, arm, heruntergekommen und dumm ist.“ Sie werden euch antworten, das sei so der Wille Gottes. Bisweilen werden sie euch auch von Vorsehung und von Gnade etwas erz├Ąhlen; aber das wird euch keine bessere Erkl├Ąrung geben. Auf jeden Fall ist es der Wille Gottes. Analysieren wir also diese Antwort. Da Gott uns ein wenig Hirnsubstanz mitgegeben hat, lassen wir die nicht einrosten!

Demnach hat Gott also Launen; Er macht, was Ihm gerade einf├Ąllt; Er gibt den einen alles und den anderen nichts? Gut, ich verstehe, Er ist Gott, es ist so Sein Wille. Das ist gro├čartig, ich beuge mich. Aber dann finde ich es doch unverst├Ąndlich, wenn Er nachher unzufrieden, zornig und gekr├Ąnkt ist, wenn diejenigen, denen Er nichts Gutes gegeben hat, Verfehlungen begehen, b├Âse, ungl├Ąubig und kriminell sind. Da es Gott ist, der den Menschen diese Mentalit├Ąt, diesen Mangel an Intelligenz oder an Herzlichkeit mitgegeben hat, warum bestraft Er sie dann? Er, der Allm├Ąchtige, konnte Er sie nicht zu gutherzigen, ehrlichen, klugen, weisen, frommen, ja, einfach zu gro├čartigen Menschen machen? Nun ist es nicht nur Seine Schuld, wenn sie Verbrechen begehen, nein, Er bestraft sie auch noch daf├╝r! Also, da stimmt irgendwas nicht mehr. Er besitzt alle Macht, er tut, was Er will, meinetwegen, deswegen kann man Ihm keinen Vorwurf machen. Aber warum handelt Er dann nicht konsequenter, logischer und gerechter? Dann sollte Er doch die Menschen zumindest in Ruhe lassen. Aber nein, Er wirft sie f├╝r alle Ewigkeit in die H├Âlle! Und auch da, meine ich, pa├čt etwas nicht zusammen. Ich w├╝rde sagen: ÔÇťWie lange haben sie ges├╝ndigt? Drei├čig Jahre, vierzig Jahre? Gut, dann sollen sie auch vierzig Jahre in der H├Âlle bleiben, und nicht l├Ąnger. Aber f├╝r alle Ewigkeit?!…ÔÇŁ Also wirklich, da mache ich nicht mehr mit, damit bin ich nicht einverstanden. ├ťberlegt doch einmal. Aber die Leute wagen es nicht zu ├╝berlegen, so sehr sind sie umw├Âlkt von dem, was ihnen beigebracht wurde. Es scheint ja bald so, als sei es ein Verbrechen zu ├╝berlegen; und wof├╝r ist dann die Intelligenz gut? Wenn Gott sie uns schon gegeben hat, was sollen wir dann damit anfangen?

Wenn man hingegen die Reinkarnation akzeptiert, wenn man sich mit dieser Anschauung n├Ąher befa├čt und sie versteht, dann ├Ąndert sich alles. Gott ist wirklich der gr├Â├čte, edelste und gerechteste Herr des Universums, und wir begreifen, da├č es unser Fehler ist, falls wir arm, dumm und ungl├╝cklich sind, weil wir es nicht verstanden haben, alles, was Er uns urspr├╝nglich mitgegeben hat, gut zu nutzen. Wir wollten kostspielige Erfahrungen machen. Und da Er, der Herr, gro├čm├╝tig und tolerant ist, hat Er uns gew├Ąhren lassen und sich gesagt: ÔÇťNun gut, sie werden leiden und sich den Kopf einrennen, aber das macht nichts. Ich werde ihnen weiterhin meine Sch├Ątze und meine Liebe schenken… und sie haben ja noch viele Inkarnationen vor sich.ÔÇŁ Also hat Er uns die Freiheit gelassen; und wenn uns ├ťbles widerf├Ąhrt, so ist es unsere eigene Schuld.* Warum hat die Kirche alle Verantwortung f├╝r unser Schicksal auf den Herrn abgew├Ąlzt? Nun werdet ihr sagen: ÔÇťAber das hat sie doch gar nicht gemacht. Sie hat doch nur den Glauben an die Reinkarnation abgeschafft.ÔÇŁ Wenn man dar├╝ber nachdenkt, l├Ąuft das aber doch eigentlich auf das gleiche hinaus.

Bis ins vierte Jahrhundert hinein glaubten die Christen an die Reinkarnation, so wie die Juden, die ├ägypter, die Hindus, die Tibeter usw. Aber wahrscheinlich haben sich die Kirchenv├Ąter gesagt, da├č dieser Glaube die Dinge nur in die L├Ąnge ziehen w├╝rde, denn damit h├Ątten die Leute es wohl nicht eilig, sich zu bessern. Und indem sie nun den Glauben an die Reinkarnation abschafften, wollten sie die Menschen antreiben, die Vollkommenheit in einem einzigen Leben anzustreben. Im ├╝brigen hat sich die Kirche dann nach und nach derart schreckliche Dinge einfallen lassen, um die Menschen einzusch├╝chtern, da├č man im Mittelalter nur noch an den Teufel, die H├Âlle und die ewige Verdammnis glaubte. Die Kirche hat also den Glauben an die Reinkarnation abgeschafft, weil sie meinte, sie k├Ânnte die Menschen auf diese Weise dazu bewegen, sich schneller zu bessern. Aber diese haben sich nicht nur keineswegs gebessert, sie sind sogar schlimmer geworden… und dazu auch noch unwissender! Darum mu├č man diesen Glauben nun wieder annehmen, denn sonst stimmt einfach nichts. Das Leben hat sonst keinen Sinn, der Herr ist ein Ungeheuer usw…

Die Frage der Reinkarnation ist bereits sehr ernsthaft untersucht worden. Darum brauche ich mich hier nicht eingehender damit zu befassen. Es gibt gen├╝gend B├╝cher zu diesem Thema; man denke nur an die Art und Weise, wie die Tibeter den Dalai Lama herausfinden. Ich will euch nur noch von einem besonderen Fall erz├Ąhlen, den ich in Bulgarien erlebt habe. In der Bruderschaft in Sofia war ein Elternpaar eines Tages sehr best├╝rzt, weil ihr Kind so unverst├Ąndliche Dinge redete. Sie erz├Ąhlten, da├č sie es einmal auf einem Spaziergang zu einem Ort mitgenommen hatten, den es zuvor noch nie gesehen hatte. Und dort rief es aus: „Oh, ich kenne diesen Ort; ich bin schon einmal hier hergekommen.“ Es konnte sogar die Umgebung beschreiben, und alles stimmte ├╝berein. Dabei war es doch ein Ort, wo es noch nie hingekommen war. (Die Eltern wu├čten allerdings, da├č ihr erstes Kind hier hingegangen war). „Erinnert ihr euch nicht? Auf dem Schulweg habe ich mich hier versteckt… und dort dr├╝ben im Flu├č bin ich ertrunken.“ Das war tats├Ąchlich der Ort, an dem ihr ersten Kind ertrunken war, aber dieses wu├čte nichts davon; niemand hatte ihm jemals etwas dar├╝ber gesagt. Dies war also ihr erstes Kind, das sich wieder in der gleichen Familie inkarniert hatte. So etwas ist sehr selten, aber es kann vorkommen. Bis zu ihrem siebten Lebensjahr kann man Kinder ├╝ber solche Dinge befragen; sie erinnern sich an vieles. Anstatt ihnen jedoch zuzuh├Âren, gibt es M├╝tter, die ihnen einen Klaps geben und sagen: „Du erz├Ąhlst Unfug, sei still.“ Das machen sie einmal, zweimal, dreimal… und auf die Dauer wagen es die Kinder nicht mehr, noch etwas zu erz├Ąhlen.

Ich habe euch nun gezeigt, da├č bestimmte Passagen der Evangelien, obwohl das Wort „Reinkarnation“ darin nicht geschrieben steht, doch deutlich machen, da├č der Glaube daran zur ├ťberlieferung geh├Ârte. Dazu kann ich euch ein weiteres Beispiel geben. In einem Abschnitt sagt Jesus: „Ihr sollt vollkommen sein, gleichwie der Vater im Himmel vollkommen ist.“ Was soll man von diesem Satz halten? Entweder sagt Jesus das ganz un├╝berlegt, wenn er von so unvollkommenen Menschen verlangt, sie sollen in einigen Jahren die Vollkommenheit des himmlischen Vaters erlangen, oder aber er ist sich ├╝ber Seine Gr├Â├če ├╝berhaupt nicht im klaren und bildet sich ein, da├č es ganz einfach sei, so zu werden wie Er. In beiden F├Ąllen spricht das nicht f├╝r Jesus. In Wirklichkeit schlie├čt jedoch dieser Satz die Reinkarnation mit ein. Jesus meinte nicht, der Mensch k├Ânne in einem einzigen Leben vollkommen werden. Aber er wu├čte, da├č man durch den best├Ąndigen Wunsch und st├Ąndiges Bem├╝hen nach vielen Inkarnationen schlie├člich das Ziel erreichen w├╝rde.

Und was hat Moses zu Beginn der Sch├Âpfungsgeschichte geschrieben, dort wo von der Erschaffung des Menschen die Rede ist? „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen ├╝ber die Fische im Meer und ├╝ber die V├Âgel im Himmel und ├╝ber das Vieh… Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf Er ihn.“ Und was ist aus dieser ├ťbereinstimmung nun geworden? Gewi├č hatte Gott die Absicht, den Menschen nach Seinem Bilde und Ihm gleich zu erschaffen, also ebenso vollkommen wie Er selbst es ist; aber Er hat es nicht getan. Er hat ihn lediglich nach Seinem Bild erschaffen, mit den gleichen Anlagen, ohne ihm jedoch die F├Ąhigkeiten voll entwickelt zu geben, also ohne die v├Âllige ├ťbereinstimmung.

Schaut euch eine Eichel an. Sie ist nach dem Bild ihres Vaters, der Eiche, geschaffen; das hei├čt, sie birgt die gleichen Anlagen in sich. Jedoch gleicht sie der Eiche nicht; sie ist noch nicht genau wie diese, sondern sie wird erst so, wenn sie in den Boden gesteckt wird. Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen; das hei├čt, er besitzt Weisheit, Liebe und Kraft, jedoch in welch geringem Ma├č im Vergleich zur Weisheit, Liebe und Kraft des Sch├Âpfers. Wenn er sich dann aber entwickelt, wird er mit der Zeit Ihm immer ├Ąhnlicher bis er Ihm dann eines Tages gleicht; dann wird er Seine Tugenden voll entwickelt besitzen. Ihr seht also, da├č die Entwicklung vom Abbild bis hin zur v├Âlligen ├ťbereinstimmung den Gedanken der Reinkarnation mit einschlie├čt. Gott sprach: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei“, aber Er hat es nicht v├Âllig getan. „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf Er ihn.“ Darin, da├č im nachfolgenden Satz der Teil „…das uns gleich sei“ weggelassen ist, w├Ąhrend das Wort „Bild“ wiederholt wird, hat Moses den Gedanken der Reinkarnation versteckt.

Aber die Leute verstehen es nicht, die B├╝cher zu lesen… und noch viel weniger das gro├če Buch der lebendigen Natur, in welches ebenso die Reinkarnation eingeschrieben ist. Nehmen wir einmal das Bild eines Baumes. Allein die Kabbalisten haben das Bild des Baumes wirklich verstanden; und sie haben daraus eine Symbol f├╝r das Universum gemacht. Alle Gesch├Âpfe finden irgendwo in diesem Baum ihren Platz, sei es als Wurzeln, Rinde, Bl├Ątter, Bl├╝ten oder Fr├╝chte. Nach ihrem sehr tiefen Wissen hat alles, was lebt, auch alle T├Ątigkeiten und alle Regionen, seinen Platz im Baum des Lebens. In den verschiedenen Jahreszeiten fallen die Bl├Ątter, die Bl├╝ten und die Fr├╝chte vom Baum. Diese zersetzen sich, sie werden zu D├╝nger und werden dann ├╝ber die Wurzeln wieder aufgenommen. Das gleiche gilt f├╝r alle Lebewesen. Wenn ein Mensch stirbt, wird er ├╝ber die Wurzeln des kosmischen Baumes wieder in diesen aufgenommen. Bald erscheint er jedoch wieder in neuer Gestalt, als Zweig, Bl├╝te oder Blatt… Nichts geht verloren; unaufh├Ârlich verschwinden die Wesen und erscheinen von neuem auf diesem gro├čartigen Baum, dem Baum des Lebens.

Ihr seht, das Prinzip der Reinkarnation trifft man ├╝berall an. Wo denn noch? Im Wasserkreislauf der Natur. Das Wasser der Meere verdampft und steigt in die Luft. Dann f├Ąllt es woanders als Schnee oder Regen wieder herab und kehrt schlie├člich zum Meer zur├╝ck. Der Wassertropfen verschwindet nicht einfach; er unternimmt eine gro├če Reise, um die Welt zu erforschen. Zuerst steigt er gen Himmel, f├Ąllt wieder herab auf die Berge, flie├čt in die T├Ąler, sickert bis in tiefliegende Erdschichten hinab und nimmt dabei die verschiedensten F├Ąrbungen an, gelb, rot oder gr├╝n… Das Wasser steigt also auf und kommt dann wieder herab; auch daran l├Ą├čt sich das Gesetz der Reinkarnation ablesen. So wie der Wassertropfen unternimmt jedes geistige Wesen eine Reise, um dadurch Erfahrungen zu sammeln und der Vollkommenheit zuzustreben.

Wollt ihr ein weiteres Argument h├Âren? Nun, gut. Wenn ihr abends schlafen geht, legt ihr eure Kleider ab. Ein Kleidungsst├╝ck nach dem anderen zieht ihr aus: Jacke, Hemd, Unterhemd… Das Schlafengehen am Abend ist ein Symbol f├╝r den Tod. Die Kleidung, die ihr ablegt, stellt die verschiedenen K├Ârper dar, von denen ihr euch nach und nach befreien m├╝├čt, zuerst einmal vom physischen K├Ârper, dann, einige Zeit darauf, nach vielleicht ein oder zwei Wochen vom ├ätherk├Ârper. Danach kommt der Astralk├Ârper; das dauert sehr viel l├Ąnger, denn auf der Astralebene befinden sich die Leidenschaften, die Begierden und die niederen Empfindungen. Genau das ist die H├Âlle, die Astralebene und die niedere Mentalebene, wo man einige Zeit zubringen mu├č, um sich zu l├Ąutern… Danach befreit ihr euch vom Mentalk├Ârper, und dort beginnt das Paradies mit dem ersten, zweiten, dritten Himmel usw. Der ├ťberlieferung zufolge gibt es sieben. Erst wenn man alles v├Âllig abgelegt hat, betritt man ganz nackt den siebten Himmel, „v├Âllig nackt“, das hei├čt gel├Ąutert, ohne Dinge, die einem noch anhaften.

Der Morgen entspricht der R├╝ckkehr des Menschen auf die Erde, der Geburt des Kindes. Man zieht sich wieder an: Unterhemd, Hemd usw. Wenn das Kind auf die Erde kommt umh├╝llt es sich zuerst mit den feinstofflichen K├Ârpern, dem Atman-, Buddha- und Kausalk├Ârper, dann mit dem Mental-, Astral- und ├ätherk├Ârper und schlie├člich schl├╝pft es in den physischen K├Ârper. Ihr seht, jeden Abend zieht man sich aus, und jeden Morgen kleidet man sich wieder an. Das geht jahrein, jahraus immer weiter so, und doch wurde nie ├╝ber diese Handgriffe nachgedacht noch erkannt, da├č sie dem Proze├č der Einverleibung und dem Verlassen des K├Ârpers, also Geburt und Tod entsprechen. Verst├Ąnde man es hingegen, die allt├Ąglichen Handlungen, all die Handgriffe, T├Ątigkeiten und Verhaltensweisen zu deuten, ebenso wie den Verdauungsvorgang, die Atmung usw., dann w├╝rde man enorme Entdeckungen machen. Denn alle Geheimnisse des Universums spiegeln sich in unseren Gesten, Worten und Alltagshandlungen wider. Um sie allerdings richtig auszulegen, mu├č man an einer Einweihungsschule unterrichtet worden sein.

Bevor so manch einer an die Reinkarnation glaubt, wartet er ab, bis die Kirche diese offiziell anerkennt. Aber wann wird sie das tun? Schon oft hatte ich Gelegenheit, mit Vertretern der Kirche zu sprechen. Und ich habe festgestellt, da├č viele von ihnen an die Reinkarnationslehre glauben. Nur wagen sie es aus Angst vor Schwierigkeiten nicht, dar├╝ber zu sprechen. Ich sage euch auf jeden Fall, solange ihr die Reinkarnationslehre nicht akzeptiert, werdet ihr niemals Klarheit bekommen ├╝ber eure Situation und ├╝ber die Geschehnisse in eurem Leben (warum man euch verfolgt und schlecht behandelt oder warum ihr immer wieder Hilfe und Unterst├╝tzung findet), noch dar├╝ber, wie ihr euch auf das n├Ąchste Leben vorbereiten m├╝├čt. Und wenn man die Wahrheit nicht kennt, welchen Weg soll man dann nehmen?…

Vid├ęlinata (Schweiz), den 11. Dezember 1966

*Siehe Band 3 der Reihe Gesamtwerke ┬╗Die beiden B├Ąume im Paradies┬ź, Kapitel 9 ┬╗Die beiden B├Ąume im Paradies┬ź, Teil III: ┬╗Die R├╝ckkehr des verlorenen Sohnes┬ź

Dieser Text stammt aus der Brosch├╝re ┬╗Die Reinkarnation┬ź von Omraam Mikhael Aivanhov, Teil 1