Die neue, universelle Religion

Die neue Religion lehrt, wie man jegliche TĂ€tigkeit spiritualisieren kann und erweitert damit den Begriff Gottesdienst.

Jede Religion hat einen besonderen Tag, der dem Gottesdienst vorbehalten ist. Das ist ĂŒbrigens nicht bei allen der gleiche. Bei den Christen ist es der Sonntag, bei den Juden der Samstag und bei den Mohammedanern der Freitag. Worin unterscheiden sich nun in Wirklichkeit diese Tage? In nichts. Alle Tage sind heilig, alle Tage sind göttlich. Es gibt den Freitag, um Gutes zu tun, den Samstag, um Gutes zu tun und den Sonntag, um Gutes zu tun. In der Universellen Weißen Bruderschaft mĂŒssen alle Tage heilig sein. Wenn es nicht so wĂ€re, was wĂŒrde das bedeuten? Sechs Tage lang ĂŒbertritt man alle Gesetze und am siebten Tag geht man in die Kirche, um die Verbrechen, die man begangen hat, wieder gutzumachen. Nein, ein Tag reicht nicht aus, um sich zu reinigen, man braucht dafĂŒr die ganze Woche! Nur einen Tag in der Woche an Gott zu denken, wĂ€hrend man an allen anderen Tagen vor allem damit beschĂ€ftigt war, alles Mögliche zu treiben, sich zu prĂŒgeln, mit Frauen zu schlafen…, das ist doch grotesk! Das ist LĂŒge und Scheinheiligkeit. Das Wichtigste ist die Art und Weise, wie man die anderen Tage hindurch gelebt hat. In der neuen Religion erscheinen einige Stunden oder ein Tag, um zu beten, um in der Kirche zu sein als sehr wenig. Jeden Tag und den ganzen Tag, sogar wenn man arbeitet, sollte man rein sein, gute Gedanken haben, Gutes tun, beten, sich in der Kirche Gottes fĂŒhlen. Denn die Kirche Gottes, das ist die ganze Schöpfung.

Die neue Religion erweitert auch die Vorstellung des heiligen Ortes, der dem Gebet geweiht ist.

Warum wollen die Menschen einen abstrakten und unfassbaren Gott am liebsten in dunklen und kalten Kirchen anbeten? Sie sollten zuerst zur Sonne gehen, sich erwĂ€rmen, sich erhellen, sich beleben lassen, Gott danken. Und danach können sie sich immer noch an einen abstrakten Gott wenden, falls sie dafĂŒr ausreichende mentale FĂ€higkeiten haben.

Sogar Kirchen und Tempel werden eines Tages unnötig sein, denn die Menschen werden in einen anderen Tempel gehen, in den unermesslichen Tempel der lebendigen Natur, wo die Sonne der Priester ist, der den Gottesdienst hĂ€lt und wo die Sterne das ewige Licht sind. So wird es eines Tages kommen, ich prophezeie es euch. Momentan sind die Menschen aufgrund ihrer Engstirnigkeit und ihrer Begrenztheit noch nicht bereit dazu. Und ĂŒbrigens ist es gar nicht schlecht, dass es Kirchen und Tempel gibt, das ist sogar großartig, man braucht sie, und ich habe niemals gesagt, man solle sie zerstören. Sogar ein Haus ist ein Tempel. Aber wenn man einmal bereit ist, die Wahrheit zu erfassen, wird man all diese Tempel aufgeben und den einen, einzigartigen Tempel betreten, den Gott selbst errichtet hat: das Universum.

Die Kirche ist die Form. Die Religion ist das Prinzip. Die Kirche ist die Form, das heißt das GebĂ€ude, wo sich Menschen aller Klassen versammeln, ehrliche oder unehrliche, intelligente oder dumme. Die Religion, der Geist, das Prinzip, das ist das Bewusstsein von der Verbindung, die es zwischen dem Menschen und dem Herrn gibt. Ein Tempel, eine Kirche, eine Basilika, nennt sie wie ihr wollt, werden von Menschenhand erbaut. FĂŒr diejenigen, die nur die Form sehen, gibt es keine besseren Orte zum Beten. In Wirklichkeit ist die ganze Natur mit den Bergen, den Felsen, den WĂ€ldern ein Tempel, wo man beten kann, ein Tempel, der aus den HĂ€nden Gottes hervorgegangen ist. Aber die Natur ist noch nicht der Geist, sie ist eine neue Form, ein anderer besserer, weiterer Tempel und vor allem – lebendiger. Wir haben uns dafĂŒr entschieden, in diesem Tempel zu beten. Ist das nun ein Verbrechen?

Aber vor allem in sich selbst, in seinem eigenen Tempel, kommuniziert der Mensch mit dem Herrn.

Und wir haben sogar noch einen anderen Tempel gefunden, einen der noch ĂŒber der Natur steht: den Menschen selbst. Diesen Tempel mĂŒssen wir reinigen, damit der Herr sich darin niederlĂ€sst.

Gott erhört den Menschen nicht, wenn er nicht seinen eigenen Tempel betritt, um Ihn dort anzubeten. Eine Kirche oder Kathedrale ist immer ein fremder Tempel, in dem von euch aus keine Resonanz entsteht, die geeignet wĂ€re, bis zum Throne Gottes zu gelangen. Diese Kirche oder Kathedrale kann großartig sein und durchdrungen von guten EinflĂŒssen, aber euer eigener Tempel ist wie ein Hindernis, weil er schmutzig ist. Ist euer Tempel gereinigt, gelangt euer Gebet bis zu Gott, selbst wenn ihr nie in eine Kirche geht. Also, lasst Kirchen und Tempel in Frieden und lasst die anderen sich darum kĂŒmmern. KĂŒmmert ihr euch um euren eigenen Tempel. Stellt euch vor, ihr seid in euch wie in einem Heiligtum, wo lebendiges Wasser fließt.

Mit Hilfe von Gebeten und Meditationen reinigt sich der SchĂŒler. Er reinigt seinen eigenen Tempel und ruft anschließend den Herrn, Er möge darin wohnen. Nichts kann mit einem menschlichen Körper verglichen werden, der gereinigt und geheiligt ist, der zu einem wahren Tempel geworden ist.

In der Natur wie im inneren Leben ist die Sonne der beste Vertreter der Gottheit.

Als die Eingeweihten ein Bild Gottes haben wollten, beschĂ€ftigten sie sich mit dem Licht. Auf der Erde konnten sie dieses Bild nirgendwo anders als im Licht, in der Sonne sehen. Um euch mit Gott zu verbinden, stellt euch eine im Raum funkelnde Sonne vor, schickt ihr eure Gedanken, vereinigt euch mit ihr und ihr werdet sehen, dass diese Sonne, die ein Vertreter Gottes ist, die Schwingungen eures Wesens erhöht. Alle Stoffe in euch werden angeregt, ihr versetzt euch in eine höhere Region. Ihr nehmt nichts mehr auf, was von den niederen Regionen kommt, die man Hölle nennt. Eure Antennen empfangen das, was in den erhabenen Regionen vor sich geht und ihr kommt heraus aus allem Leid, Elend und UnglĂŒck.

Diese Religion besitzt somit eine wissenschaftliche Grundlage.

Die wahre Religion grĂŒndet sich auf das große Gesetz der universellen Entsprechungen. Das ist ein Gesetz, das gleichzeitig physikalisch, chemisch, magisch und geistig ist und das sich so ausdrĂŒcken lĂ€sst: Indem man sich mit dem verbindet, was vollkommen ist – vollkommen an Intelligenz, vollkommen an Macht, vollkommen in der Form, vollkommen in der Farbe, vollkommen im Duft, vollkommen an Schönheit –, nutzt man diese Vollkommenheit zum eigenen Vorteil, da man sie in sich selbst aufnimmt. Das ist ein unfehlbares Gesetz. Wenn ihr dieses Gesetz kennt, wollt ihr euch von dieser Idee der Vollkommenheit nicht mehr trennen, denn sonst fĂŒhlt ihr, dass ihr etwas in euch selbst zerstört. Die wahre Religion beruht auf der Kenntnis vollkommener, realer und beweisbarer Gesetze, denn man findet sie in allen Bereichen der Natur angewandt, bis in die Tierkunde und Insektenkunde hinein, ĂŒberall. – Nehmen wir an, ihr hĂ€ttet ein Vorbild, ein Wesen, das fĂŒr euch eine Gottheit ist. Ihr betet es an, ihr bewundert es, ihr kontempliert es, ihr meditiert ĂŒber es. In dem Moment verbindet ihr euch mit der Vollkommenheit, mit der Herrlichkeit und eine großartige, harmonische Welt beginnt in euch zu entstehen. Ihr wachst, ihr blĂŒht auf, ihr werdet schön und stark, bis ihr eines Tages vollkommen diesem Wesen gleicht. Genauso arbeitet dieses Gesetz.

Wenn eure Religion nur auf Einbildung, auf Aberglaube und Gewohnheiten gegrĂŒndet ist, die von eurer Erziehung, von der Gesellschaft oder von der Familie herrĂŒhren, so wird sie weder zuverlĂ€ssig noch dauerhaft sein. Wahre Religion beruht auf der Kenntnis des Gesetzes der Entsprechung. Von dem Moment an versteht man, dass man den Herrn weder deshalb lieben sollte, weil es die Kirche so angeordnet hat, noch weil es irgendwo in der Bibel geschrieben steht, sondern weil es ein absolutes Gesetz, ein gewaltiges Gesetz gibt, gemĂ€ĂŸ dem wir selbst es sind, die von dieser Liebe profitieren, und durch uns auch die ganze Welt.

Dass dieses Wissen noch nicht in die Köpfe der Menschen eingedrungen ist, beweist die Tatsache, dass sich heutzutage so viele Christen zurĂŒckziehen, aus der Kirche austreten. Sie haben nichts verstanden und die Wissenschaft triumphiert! Die Religion, so wie diese Menschen sie verstanden haben, hatte keine feste Grundlage. Man braucht jetzt das Wissen der Einweihungslehre. Dieses Wissen offenbarte man klar und deutlich in den Mysterienschulen: Der SchĂŒler machte Erfahrungen, er berĂŒhrte die Wirklichkeit mit eigenen HĂ€nden, und dies war ein Wissen, das er anschließend nicht mehr verlieren konnte.

Durch einige einfache Experimente lĂ€sst sich aufzeigen, dass die Wirkungsweise religiösen Bewusstseins auf beweisbaren GesetzmĂ€ĂŸigkeiten beruht.

Stellt euch zwei GlĂ€ser vor, die mit Parfum gefĂŒllt sind. Diese beiden GlĂ€ser sind getrennt, aber ihre DĂŒfte steigen auf und verschmelzen oben. So ist es auch mit dem Menschen. Das Glas stellt seinen Körper dar und der Duft den feinstofflichsten Teil seiner Seele, seines Geistes, seines Denkens. Dieser Duft, diese Seele kann mit anderen DĂŒften, mit anderen Seelen auf der Erde oder sogar im Kosmos Verbindung aufnehmen. Sie wird genau jene finden, die ihr gleichen und die ihr durch ihre Quintessenz entsprechen. Sie werden in Verbindung stehen, sich austauschen und in Einklang schwingen. So erklĂ€rt es sich, dass der Mensch, wenn er intelligent und bewusst ist, den Herrn berĂŒhren und mit Ihm kommunizieren kann. Das gibt dem Gebet, der Meditation, Kontemplation, Identifikation hier ihre Existenzberechtigung. Es geht darum, euch so hoch zu erheben, dass ihr die Universalseele berĂŒhrt. So vollzieht sich eine Verschmelzung, eine gegenseitige Durchdringung, eine Angleichung: Eure SchwĂ€chen werden verjagt und die QualitĂ€ten dieser Universalseele treten in euch ein. Ihr seid verwandelt, ihr besitzt die SchĂ€tze, die die Universalseele nach und nach in euch niederlegt.

Nehmt an, wir hĂ€tten auf diesem Tisch mehrere Stimmgabeln, von denen nur zwei gleich lang sind. Wenn wir jede der ungleich langen Stimmgabeln einzeln schwingen ließen, so wĂŒrden sie jeweils einen verschiedenen Ton von sich geben. Doch wenn wir eine jener beiden gleich langen Stimmgabeln schwingen ließen, so wĂŒrde die zweite, ohne berĂŒhrt zu werden, auf die Schwingungen der ersten antworten und genau den gleichen Ton aussenden wie diese. Ihr alle kennt dieses PhĂ€nomen, was ihr jedoch nicht kennt, ist die Bedeutung dieses Resonanzgesetzes. Eure ganze Entwicklung hĂ€ngt vom richtigen VerstĂ€ndnis dieses Gesetzes ab. Wenn ich euch unaufhörlich sage, ihr solltet euch mit dem schönsten, dem grĂ¶ĂŸten, dem mĂ€chtigsten Wesen verbinden, dann deshalb, damit ihr in Einheit mit Ihm schwingen und die QualitĂ€ten und FĂ€higkeiten dieses Wesens, dieses Prinzips, das alles besitzt, empfangen könnt. Solange man diese Einstellung nicht bewusst sucht, wird man in alle Richtungen getragen von den schĂ€dlichsten Strömungen, mit denen man sich auf dumme Weise in Einklang gebracht hat.

Diesem erhabenen Wesen gegenĂŒber, das alles lenkt, das alles verteilt, solltet ihr Respekt, Bewunderung, EntzĂŒcken entgegenbringen. Ihr erwidert, dass ihr dieses Wesen nicht seht. Doch, ihr seht die Schönheit der Natur, die Harmonie der Schöpfung, ihr seht um euch herum MĂ€nner und Frauen. Warum denkt ihr nie daran, euch wieder bis zum Urheber all dessen, was ihr seht, zu erheben? Von heute an solltet ihr die richtige Einstellung dem Herrn gegenĂŒber finden. Denkt immer an Ihn mit Respekt, mit Bewunderung und mit Liebe, denn in dem Moment schwingt ihr in Einheit mit Ihm und alles, was Er besitzt, Schönheit, Licht, Liebe, fließt zu euch hin und ihr fĂŒhlt die gleiche Freude, das gleiche GlĂŒck, ihr lebt in der gleichen Freiheit wie Er.

Deshalb ist es auch notwendig, den Sinn fĂŒr das Heilige zu bewahren.

Unter den Tausenden von Dingen, die die Menschen begreifen mĂŒssen, ist besonders eines, was sie noch nicht verstanden haben: die Einstellung, die sie im Leben gegenĂŒber der Natur, gegenĂŒber den Menschen und gegenĂŒber dem Herrn haben sollten. Ja, vor allem gegenĂŒber dem Herrn!

Die Menschen aber verlieren mehr und mehr den Sinn fĂŒr das Heilige, sie wollen alles entmystifizieren, weil es anscheinend zu viele Mythen gibt. Sie verwĂŒsten alles, ohne sich darĂŒber im Klaren zu sein, was sie dabei verlieren. Denn im selben Moment verschließt sich die Natur ihnen gegenĂŒber, sie offenbart ihnen nichts. Die Natur enthĂŒllt sich nur vor Menschen, die den Sinn fĂŒr das Heilige haben. Wenn ihr hier diese heilige innere Einstellung pflegt, kann ich euch versichern, dass ihr wunderbare Offenbarungen haben werdet, und nicht nur Offenbarungen, die von mir kommen und die gar nicht so wesentlich sind, wenn sie nicht auch von euch selbst kommen. Wenn ihr die richtige innere Einstellung findet, kommen die Offenbarungen auch von euch und ihr versteht Wahrheiten, die ihr zuvor niemals verstanden hĂ€ttet. Diese Frage der inneren Einstellung ist sehr wesentlich.

Wir sollten eine heilige, mystische Einstellung der Schöpfung gegenĂŒber haben. Wir sollten lernen, wie die Äolsharfe zu schwingen, bei jedem Windhauch und bei jeder Strömung, die von hoch oben zu uns kommen, lernen, mit dem Universum, mit der Weltenseele, mit Gott zu kommunizieren.

Eine heilige Einstellung klĂ€rt uns ĂŒber den Sinn der Demut auf.

DemĂŒtig sein heißt, nach oben zu schauen, zu denen aufzuschauen, die uns ĂŒbertroffen haben. Denn indem man zu diesen hohen Wesen aufschaut, vergleicht man sich instinktiv mit ihnen und sieht sich selbst ganz klein. In diesem Augenblick entsteht Demut. Das soll jedoch nicht heißen, dass die DemĂŒtigen sich damit zufrieden geben sollten, auf die Wesen, die uns ĂŒbertroffen haben, aufzuschauen und dabei stehen zu bleiben, nicht vorwĂ€rts zu schreiten, ganz im Gegenteil. Gerade wahre Demut muss uns zur Vollkommenheit fĂŒhren. Denn nur dann, wenn wir uns auf alle jene Menschen konzentrieren, die uns ĂŒbertroffen haben, schreiten wir voran. Also, indem man vollkommen werden will wie der Herr, ist man wahrhaft demĂŒtig!

Wenn ihr hingegen diejenigen betrachtet, die unter euch stehen, so empfindet ihr euch selbst als sehr groß, sehr fortgeschritten, sehr intelligent. Wenn ihr euch mit Ameisen vergleicht, seid ihr natĂŒrlich ein Elefant. Also erfasst euch Hochmut und ihr kommt nicht mehr voran. Deshalb hindert der Hochmut die Menschen an der Weiterentwicklung. Er hindert sie nicht nur daran, sondern er lĂ€sst sie sogar RĂŒckschritte machen. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr wird der Mensch wie diese Ameisen werden, denen er sich so sehr ĂŒberlegen fĂŒhlte. Das ist ein Gesetz. Das ist der Sinn der Psalmworte: »Er erniedrigt die HochmĂŒtigen und erhöht die DemĂŒtigen.« Das bedeutet nicht, dass der Herr die einen bestrafen und die anderen belohnen will, nein, das ist nur ein Gesetz, das von der kosmischen Intelligenz erlassen wurde. Also, wenn es euer Ideal ist, wie der Herr zu werden, dann besitzt ihr wahre Demut.

Wahre Demut besteht nicht darin, klein, kĂŒmmerlich, im Schmutz und in der Armut zu bleiben, schwach und ausgelöscht zu sein und sich vorzustellen, dass sich der Herr an all dem ergötze. Demut, wahre Demut besteht darin, so zu werden wie der Herr: allwissend und allmĂ€chtig, ein Wesen, das in sich alle Liebe und Reinheit, GroßzĂŒgigkeit und Herrlichkeit vereint. Der HochmĂŒtige entwickelt sich nicht weiter, er ist schon zu groß und zu vollkommen. Was fĂŒr eine Dummheit!

Die neue Religion hebt wieder das Ideal der Vollkommenheit hervor, das Jesus lehrte, das aber auf Grund seines zu hohen Anspruchs von der Mehrheit aufgegeben wurde.

Die Christen haben die meisten ihrer Praktiken nicht richtig verstanden. Viele wissen nicht einmal, dass manche Symbole, Zeremonien oder Riten, manche GewĂ€nder oder Verzierungen fremden Kulten entliehen wurden. Nicht Jesus hat diese Dinge empfohlen, die jetzt an erster Stelle stehen. Das wahre Christentum ist zunĂ€chst eine innere Arbeit: Gebet, Meditation, Kontemplation, eine Arbeit des Geistes. Aber die Einstellung der Christen wurde zunehmend materiell geprĂ€gt, sie leben nicht mehr das intensive Leben, das Jesus lehrte. Ihr Ideal ist nicht das von Jesus, sondern das der Kirche. Sie haben die großen Wahrheiten, die wichtigsten Vorschriften außer Acht gelassen. Wenn jemand werden möchte wie der Herr, weil Jesus gesagt hat: »Seid vollkommen wie euer Himmlischer Vater vollkommen ist«, so sind alle gegen ihn. Sie sagen: »Was fĂŒr ein Hochmut!« Doch sie haben von den Evangelien nichts verstanden. Vollkommen zu werden ist die wahre Lehre Jesu. Aber nein, man kann doch mittelmĂ€ĂŸig bleiben, wenn man nur ja in die Kirche geht, vom Weihwasser nimmt, ein paar Gebete murmelt, die Hostie empfĂ€ngt. Aber dass man nach Hause geht und immer noch genauso boshaft oder unehrlich ist, das ist doch nicht so wichtig! Aber ja, der beste Beweis, dass das alles zu nichts nĂŒtze ist, ist die Tatsache, dass man sich nicht verwandelt. Ohne ein intensives, geistiges Leben könnt ihr ganze Wagonladungen von Hostien verschlingen, es wĂŒrde nichts nĂŒtzen. Wenn ihr dumm, stumpfsinnig, schwach, geizig, sinnlich oder jĂ€hzornig wart, so bleibt ihr der Gleiche. Das ist also keine wahre Kommunion mit dem Himmel.

Die Kommunion und die Funktion des Priesters

Die Kommunion ist wirklich ein Sakrament und die Kirche hat ihr all ihre Macht zu verdanken, denn die Kommunion ist ein Akt der weißen Magie. Man sollte allerdings jetzt einen Schritt weitergehen im VerstĂ€ndnis der Kommunion.

Das Fleisch Christi essen und sein Blut trinken ist ein Akt der höchsten weißen Magie. Die Hostie und der Wein stellen den Leib und das Blut Christi dar. Aber schon bevor der Priester Brot und Wein segnet, enthalten sie die Elemente, die Gott hineingelegt hat. Indem der Priester die göttlichen KrĂ€fte auf die Nahrung herabruft, bereitet er sie vor, damit sie von denen, die die Kommunion empfangen, besser aufgenommen werden. Er verrichtet also, vom magischen Gesichtspunkt aus betrachtet, eine unermesslich große Arbeit. Doch das Leben wurde von Gott schon von Anfang an in die Nahrung hinein gelegt. Der Segen der Priester fĂŒgt ihr nicht das Leben hinzu, er fĂŒgt nur die Möglichkeit fĂŒr die GlĂ€ubigen hinzu, wenigstens einmal von Zeit zu Zeit bewusst mit diesem Leben in Kontakt zu treten, denn im Allgemeinen trinken und essen die Menschen achtlos und unbewusst; deshalb nehmen sie auch nichts Besonderes auf.

Solange ihr diese Nahrung, die in den Laboratorien des Herrn zubereitet wurde, als tot betrachtet und euch vorstellt, dass sie erst der Segen der Priester lebendig macht, geht ihr am ewigen Leben vorbei und nehmt nichts von ihr auf. Ist es ĂŒbrigens wirklich intelligent zu denken, man solle darauf warten, dass man von Zeit zu Zeit zur Kommunion geht, bis man etwas Lebendiges aufnimmt? Wenn ihr euch dessen bewusst seid, dass Gott Sein Leben in jede Art von Nahrung legte, wenn ihr wie der Priester seid, der das Brot und den Wein segnet, und ihr dabei denkt, dass es das Fleisch und das Blut Christi ist, so tretet ihr jeden Tag, dreimal tĂ€glich, mit dem Leben Christi in Verbindung und das ewige Leben durchdringt euch auf Grund dieses Gedankens.

Wenn es darum geht, das Heilige zu verstehen und zu respektieren, dann bin ich der Erste, der dies unterstĂŒtzt, deshalb lade ich euch ein, es jeden Tag praktisch anzuwenden. Denn eines Tages wird jeder sein eigener Priester sein. Ein wahrer Priester ist ein Wesen, das ein höheres Bewusstsein hat als die anderen, ein grĂ¶ĂŸeres Licht, eine grĂ¶ĂŸere Reinheit. Er hat deshalb mehr Macht ĂŒber die Dinge. Also, warum seid ihr dann nicht euer eigener Priester fĂŒr die Nahrung, die ihr esst? Priester ist derjenige, der die Schöpfung Gottes versteht, der sie liebt und achtet. Ob er nun die Priesterweihe hat oder nicht, er ist Priester, Gott selbst hat ihn geweiht. Gott steht ĂŒber allem, Er steht niemandem einfach so zur VerfĂŒgung. Man kann Ihn nicht gewaltsam nehmen, um Ihn in eine Hostie einzuschließen und Ihn zu verteilen wie man will. Warum dem Herrn Gewalt antun, wenn Er sich selbst seit Anbeginn der Zeit freiwillig in die Nahrung hineinbegeben hat? Er mag diese Gewalt nicht, und oft ist Er nicht da, wenn man Seine Anwesenheit wĂŒnscht.

Betrachtet die Nahrung so, als wĂ€re sie wirklich das Fleisch und das Blut Christi und ihr spĂŒrt in euch unermessliche Verwandlungen. Denn die Nahrung gibt euch das Leben, dank dessen ihr alles verwirklichen könnt, und dies deshalb, weil Gott dieses Leben in die Nahrung hineingelegt hat. Also, weshalb die Augen verschließen und es nicht sehen? Indem man die Bedeutung der Hostie derartig ĂŒberbewertet, hat man die Frage der Nahrung vollstĂ€ndig außer Acht gelassen und hat vergessen, dass auch sie uns mit Gott verbinden kann. Also, ich öffne euch jetzt die Augen und sage euch, dass die Nahrung genauso heilig ist, wie die Hostie und sogar noch heiliger. Denn die ganze Natur, Gott selbst, hat sie mit ihrer eigenen Quintessenz hergestellt, und danach widmet der Priester ihr nur ein paar Minuten, damit die anderen mit ihr in Kontakt treten können. Die Kirche hat die Menschen derartig verformt, dass es kein Mittel mehr gibt, um ihnen jetzt die Wunder der Schöpfung Gottes verstĂ€ndlich zu machen. Was sie selbst erschaffen haben, das ist großartig, aber was Gott erschaffen hat, das ist nicht interessant, sie stehen ja weit darĂŒber! Sicher, wenn ihr die Priester fragt, so werden sie euch sagen, dass sie sich nicht höher als Gott einstufen, aber in der Praxis ist es genau so, als ob sie sich ĂŒber Ihn stellten. Anstatt zu sagen: »Respektiert das Leben, meine Kinder, denn alles ist heilig. Das alles sind Talismane, die Gott ĂŒberall verteilt hat«, zĂ€hlen nur ihre eigenen LĂ€den: Hostien, RosenkrĂ€nze, Medaillen, alles andere zĂ€hlt nicht.

Ich setze nicht die Rolle der Priester herab, ich setze nicht die Bedeutung der Kommunion herab, nein, ich eröffne euch neue Horizonte, damit ihr seht, dass die Kommunion nicht nur etwas Wichtiges ist, sondern auch etwas Unentbehrliches und dass wir jeden Tag die Kommunion empfangen sollten. Wenn ihr zwei oder drei Mal im Jahr die Kommunion empfangt, was, glaubt ihr, könnt ihr da in euch verĂ€ndern? Nichts, eure Zellen bleiben die gleichen und ihr bleibt ewig der Gleiche. Um den physischen Körper zu verĂ€ndern, der derartig hartnĂ€ckig ist, muss man jeden Tag mit dem Denken, dem Glauben und der Liebe an dieser Verwandlung arbeiten und eines Tages beginnt dieser Körper zu schwingen. Vor allem aber lernt jeden Tag mit der Sonne zu kommunizieren. Denn die wahre Hostie ist die Sonne. Wenn ihr beim Betrachten der Sonne fĂŒhlt, dass ihr euch dort ernĂ€hrt, durch euren Solarplexus, dann ernĂ€hrt ihr euch wirklich von der Sonne, von ihrem Licht, von ihrer Reinheit, von ihrem Leben und ihr verwandelt euch. Wann wird man den tiefen Sinn der Worte Jesu verstehen: »Wenn ihr nicht mein Fleisch esst, wenn ihr nicht mein Blut trinkt, so werdet ihr nicht das ewige Leben haben«?

All die Riten, die von der Kirche eingefĂŒhrt wurden, dĂŒrfen nicht die wahre Religion verbergen. Oft verlĂ€sst man sich auf das enge Blickfeld einer Religion, einer Philosophie einer Clique und alles andere bleibt verborgen. Was nĂŒtzt es einem, einer Religion anzugehören, wenn diese Religion die Herrlichkeit und die Macht dessen, was Gott erschaffen hat und die Möglichkeiten zu Ihm zurĂŒckzukehren, verstecken muss?

Die Einstellung der meisten GlÀubigen ist wenig effektiv, weil sie die Gesetze des inneren Lebens nicht kennen.

Es gibt sehr christliche, sehr glĂ€ubige Menschen, die ihr Leben immer in die HĂ€nde Gottes legen. Aber warum lĂ€sst Er sie dann in der Klemme sitzen? Man wird sagen, der Herr kĂŒmmere sich nicht so sehr um unsere Angelegenheiten. Er habe eben auch an andere Dinge zu denken als an jeden Einzelnen von uns, Er lĂ€sst uns ein bisschen los und vertraut uns anderen Wesen an, Seinen Dienern, auf die wir hören sollten. Und wenn wir nicht auf sie hören, was sollte Er dann tun? Seht euch doch all die Kriege, Krankheiten und UnfĂ€lle an. Warum ist der Herr noch nicht gekommen, um uns da herauszuholen? Ich möchte nicht sagen, dass Er uns nicht hilft, aber was kann Er tun, wenn wir derartig verschlossen, schwach und unwissend sind?

Ich gebe euch als Beispiel die Sonne: Sie ist sehr mĂ€chtig, sie lĂ€sst alle Planeten kreisen, sie ist es, die sie antreibt und belebt, ihre Macht ist unvergleichlich und dennoch, wenn ihr die VorhĂ€nge eures Zimmers zuzieht, kann sie trotz ihrer ganzen Macht nicht hinein. Oft lĂ€sst man die VorhĂ€nge zugezogen und sagt: »Komm herein, komm herein, meine liebe Sonne, ich lade dich ein.« Aber sie antwortet: »Ich kann doch nicht.« – »Warum nicht?« – »Die VorhĂ€nge!« Es reicht ein einfacher Vorhang! Also, wer mich verstanden hat, wird die VorhĂ€nge zurĂŒckziehen, die Sonne wird hereinkommen und das Licht wird ihn ĂŒberfluten. Die Sonne ist ein Symbol fĂŒr den Herrn. Sicher, der Herr ist allmĂ€chtig, er hĂ€lt das ganze Universum in Bewegung, aber wenn es darum geht, einen Vorhang zurĂŒckzuziehen, so kann Er das nicht, es ist an uns, das zu tun, damit Er hereinkommen kann.

Wenn alle Menschen beginnen, innerlich mit dem Licht zu arbeiten, wird sich alles verwandeln. Jesus sagte, die Kinder dieser Welt seien intelligenter als die Kinder des Lichtes. Er wollte damit sagen, dass die ersteren sehr aktiv sind, um ihre egoistischen und materiellen WĂŒnsche zu verwirklichen: Sie studieren, sie arbeiten, sie wissen sich zu helfen. Viele Mystiker, Geistliche und Spiritualisten hingegen sind faul und bleiben in unklaren Vorstellungen im Nebel. Sie machen nichts, um ihrem spirituellen Ideal zu dienen, um es zu verwirklichen, es zu konkretisieren. Die Materialisten hingegen tun wenigstens etwas fĂŒr ihr materielles Ideal.

Damit der Glaube wirksam ist, muss mit ihm eine starke AktivitĂ€t im Denken und FĂŒhlen einhergehen.

Der Glaube ist nicht die Ursache der Wunder, die man ihm zuschreibt. Er ist nur die unabdingbare Voraussetzung, damit diese Wunder geschehen können, denn die Wunder selbst werden von einer anderen Kraft als dem Glauben hervorgerufen. Es sind euch in den Evangelien sicher bestimmte Worte Jesu aufgefallen, als er die Kranken heilte: »Alles ist möglich fĂŒr den, der da glaubt.« – »Steh auf, dein Glaube hat dir geholfen« (Mt 9,22). – »Dir geschehe nach deinem Glauben« (Mt 9,29). – Ihr werdet sagen, dass er diese Kranken selbst ohne ihren Glauben hĂ€tte heilen können, da er alle Macht besaß. Nein, er hĂ€tte nichts fĂŒr sie tun können, wenn sie unglĂ€ubig gewesen wĂ€ren, denn die Voraussetzungen fĂŒr Heilung wĂ€ren nicht vorhanden gewesen. Er hĂ€tte sie trotzdem heilen können, aber indem er Gewalt angewendet hĂ€tte, und Gewalt ist niemals eine gute Methode. Jesus wollte, dass die Heilung auch von dem Kranken ausging, der durch seinen Glauben den KrĂ€ften der geistigen Welt die TĂŒren öffnete, damit sie eintreten und in ihm wirken konnten. Der Glaube ist die beste Voraussetzung fĂŒr die Verwirklichung all dessen, was der Mensch sich wĂŒnscht.

Euer Glaube öffnet eine TĂŒr, aber wenn niemand eintritt, weil ihr nichts ausgelöst habt, weil ihr die Geister nicht eingeladen habt, wird nichts geschehen. Zuallererst bat der Kranke Jesus, ihn zu heilen, und diese Bitte war bereits der Auslöser. Danach musste er eine offene TĂŒre haben: den Glauben. Und schließlich wirkte die Macht Jesu. Also, ihr seht: drei Voraussetzungen.

Überzeugung ist das Ergebnis von Wissen und Erfahrung.

Die Überzeugung des SchĂŒlers beruht auf der absoluten Kenntnis der Naturgesetze und auf den Erfahrungen, die er schon in der Vergangenheit oder in der Gegenwart gemacht hat. Wenn es einem SchĂŒler gelungen ist, diese Kenntnisse zu erwerben und wenn er Erfahrungen gemacht hat, kann er ĂŒber große Macht verfĂŒgen. Wenn der SchĂŒler hingegen die absolute Überzeugung nicht besitzt, dann heißt das, dass sein Wissen nicht vollstĂ€ndig ist.

Ein SchĂŒler suchte einen Meister. Als er ihn fand, blieb er in seiner NĂ€he und stellte ihm zahlreiche Fragen. Der Meister antwortete nicht auf diese Fragen, sondern trug ihm vor allem Übungen auf. Eines Tages fĂŒhrte er ihn an ein Flussufer, packte ihn und tauchte ihn kopfĂŒber ins Wasser. Der SchĂŒler schlug so lange um sich, bis ihn sein Meister wieder aus dem Wasser zog. Als der SchĂŒler seine GefĂŒhle wieder ein bisschen unter Kontrolle hatte, fragte ihn der Meister, woran er dachte, als er den Kopf unter Wasser hatte. »Ich dachte nur an Luft, ans Atmen.« – »Gut«, sagte der Meister, »genauso solltest du an Gott denken.«

Das VerstÀndnis heiliger Texte ist nicht die Angelegenheit von Bibel-, Geschichts- oder Sprachforschern, es ist vor allem die Sache derer, die ein intensives inneres Leben leben.

Die Spezialisten, die sich mit Bibelforschung beschĂ€ftigen, benutzen so genannte wissenschaftliche Methoden, dank derer sie entdeckten, dass die biblischen ErzĂ€hlungen weder wissenschaftlich noch geschichtlich sind. Das ist richtig, aber seit die Gelehrten ĂŒber die Bibel diskutieren, hat sie an Aussagekraft fĂŒr sie verloren. Man kann sich von ihrer LektĂŒre nicht mehr inspirieren lassen noch kann man sie verstehen oder sich von ihr beleben lassen. Man sucht, man durchwĂŒhlt Texte und findet Unklarheiten und WidersprĂŒche. Nur haben die Bibelforscher sich nicht gefragt, ob diese wissenschaftlichen Methoden ĂŒberall und fĂŒr alle gĂŒltig waren, ob sie fĂ€hig sind, die Wahrheiten der Seele und des Geistes zu erfassen.

Seit Jahren schlagen wir eine andere Methode vor. Anstatt jedes Wort zu zerpflĂŒcken oder die geschichtliche Seite der heiligen BĂŒcher, wie die Bibel, die Veden, usw., zu analysieren, solltet ihr euch in das, was ihr lest, versenken, um es zu leben, denn nur so durchdringt ihr ihren Sinn. Übrigens lasen die GlĂ€ubigen in der Vergangenheit die Bibel, ohne sie zu zergliedern oder sie auszulegen, ohne Texte zu vergleichen. Indem sie meditierten, indem sie sich mit den höheren Wesen verbanden, nahmen sie in sich auf, was da geschrieben stand. Sie erfĂŒhlten die großen Wahrheiten, die das innere Wesen verwandeln; die Gesetze wurden fĂŒr sie zu greifbaren Wirklichkeiten, sie brachten ihnen Licht und belebten sie, und sie wurden fĂ€hig, zu heilen und Wunder zu vollbringen.

Die in der Bibel dargelegten Wahrheiten wurden von außergewöhnlichen Menschen gelebt. Um sie verstehen zu können, muss man sich bis zu ihnen hinauf erheben, in der gleichen WellenlĂ€nge schwingen, die gleiche Lebensweise pflegen. Alles liegt in der Art und Weise, wie man lebt. Sie ist es, die den Propheten ermöglichte, Gott zu verstehen, sie mĂŒssen wir annehmen, damit auch wir Ihn verstehen. Es gibt keine andere Methode. Seid nicht beunruhigt, wenn ihr nicht alles auf einmal versteht, denn es gibt schwierige Stellen. Lest, ohne euch stören zu lassen und erhebt euch ohne Unterlass, indem ihr darum bittet, dass euer Leben sich Ă€ndere, dass der Geist komme, um euch zu erhellen. Als Jesus zu seinen JĂŒngern sagte: »Ich habe euch noch viel zu sagen, doch ihr könnt es jetzt nicht erfassen. Wenn der Tröster, der Geist der Wahrheit kommt, so wird er euch zu aller Wahrheit fĂŒhren«, machte er damit auf die wesentliche Bedeutung des Geistes aufmerksam. Ohne diesen Kontakt mit dem Geist kann man nichts verstehen.

Die neue Religion ist eine Religion des Geistes.

Die Leute haben Angst vor dem spirituellen Leben, weil man ihnen nicht gezeigt hat, was das wirklich ist. Man hat ihnen irgendwelche Formen und Einstellungen gezeigt, d. h. eine ScheinspiritualitĂ€t, aber was wahre SpiritualitĂ€t bedeutet, davon haben sie keine Ahnung. Viele stellen sich vor, sie bestĂŒnde darin, in die Kirche zu gehen, ein paar Kerzen anzuzĂŒnden, beim Pfarrer beichten zu gehen, den Armen ein paar Groschen zu geben, Psalmen aufzusagen, ĂŒber das Evangelium zu predigen und so fort. Nein, wahre SpiritualitĂ€t ist eine LebensqualitĂ€t, es bedeutet, jetzt schon das höhere Leben leben, Kontakt haben mit dem himmlischen, reinen, harmonischen, vollkommenen Leben. Ununterbrochen, bestĂ€ndig das spirituelle Leben zu leben, bedeutet wirkliche enge, tiefe Verbindung zum Himmel zu haben.

Spirituell heißt, dass sich der Geist manifestiert. Aber oft haben die Formen den ersten Platz eingenommen, ohne dass der Kontakt mit dem vollkommenen und erhabenen Leben hergestellt wird. Man trifft so genannte »spirituelle« Menschen, die alles andere besitzen als den Geist. Da werdet ihr Komödien und Getue erleben, doch der Geist ist nicht da. Der Geist bringt ein neues Leben, das hervorsprudelt, das reinigt, das auferweckt. Es kann sein, dass ihr nichts tut, dass ihr nichts sagt und der Geist sich dennoch manifestiert.

Wenn ihr euch bei der unsichtbaren Welt vorstellt und sagt: »Ich gehöre der erhabenen Universellen Weißen Bruderschaft an«, so kann es sein, dass man euch antwortet: »Aber, mein Lieber, du streitest noch immer, du kritisierst, du haust die anderen ĂŒbers Ohr, nun, dieser Titel besagt ĂŒberhaupt nichts, du bist noch nicht von der Universellen Weißen Bruderschaft, raus hier!« So sieht der Himmel die Dinge. Und es bringt auch nichts, eure Mitgliedskarte, eure Orden, euer Gewand oder euer Kreuz herzuzeigen. Denn das alles sind Ă€ußere Abzeichen. Der Himmel aber erkennt nur innere Abzeichen an: ein Gewand, eine Krone, ein Hut, wenn ihr wollt, aber innerlich. Die Ă€ußeren Zeichen sind fĂŒr die Menschen, nicht fĂŒr den Himmel. Manchmal sind sie schön und notwendig. Selbst die Magier und Eingeweihten haben diese Verzierungen akzeptiert, aber man sollte sie auch innerlich besitzen. Der Samt, der Purpur, die Kreuze, das alles ist majestĂ€tisch, doch wenn man innerlich mit Lumpen bedeckt ist, ist es grotesk, darĂŒber einen prunkvollen Schlafrock anzuziehen.

Die Wunder, die dem Geist zugeschrieben werden, stehen nicht im Widerspruch zu den Gesetzen der Natur. Ein Wunder ist nur ein Wunder fĂŒr denjenigen, der die Macht des Geistes nicht kennt.

Unser Geist kann sich nicht ganz und unumschrĂ€nkt Ă€ußern, denn er unterliegt den Grenzen der materiellen Bedingungen. In Wirklichkeit hat er in seinem Wesen, in seinem höheren Wirkungskreis unbegrenzte Macht. Er ist allmĂ€chtig. Nur in der Materie ist er es nicht, denn dort dauert es lange, um alles zu ordnen. Durch die KontinuitĂ€t unserer tĂ€glichen BemĂŒhungen bahnt er sich ein wenig den Weg, und am Ende gelingt es ihm zu siegen, zu regieren und alles zu verwandeln. Denn der Geist besitzt Â»ĂŒbernatĂŒrliche« KrĂ€fte, wie man sagt, doch in Wirklichkeit gibt es nichts ÜbernatĂŒrliches: Alles Außergewöhnliche, alle Wunder und Ereignisse, die scheinbar den Gesetzen der Natur widersprechen, sind weder ĂŒber-natĂŒrlich noch supra-natĂŒrlich noch anti-natĂŒrlich. Nein, sie gehorchen anderen Gesetzen, den Gesetzen des Geistes.

Die Vorstellung der ewigen Verdammnis steht im absoluten Gegensatz zur Liebe Gottes. Der Mensch muss jedoch seine karmischen Schulden bezahlen.

Man hat den Herrn als ein unversöhnliches, rachsĂŒchtiges, eifersĂŒchtiges Wesen dargestellt. Er sieht alles, bestraft und verzeiht nicht. Nein! In Wirklichkeit bestraft Gott niemals, Er ist Liebe. Ihr seid zum Beispiel unglĂŒcklich, traurig, verfolgt. – Lauft, ĂŒbertrefft diejenigen, die euch verfolgen, geht bis vor den Herrn! Selbst wenn ihr staubig und zerlumpt seid, wird Er sagen: »Komm herein! Sei willkommen!«, und Er wird anordnen, dass man euch wĂ€scht, dass man euch bekleidet, Er lĂ€dt euch zu seinem Festmahl ein. Zu euren Verfolgern hingegen sagt Er: »Bleibt draußen! Ihr habt kein Recht hier einzutreten und euch seiner zu bemĂ€chtigen.«

Gott interessiert sich nicht fĂŒr eure Fehler. Wie oft habt ihr euch selbst davon ĂŒberzeugen können! Ihr seid betrĂŒbt, unglĂŒcklich, verfolgt und nun erhebt ihr euch und betet. Auf diese Weise entkommt ihr euren Feinden und fĂŒhlt euch von Freunden empfangen. Sicher, wenn ihr wieder hinabsteigt, werden die Verfolgungen von neuem beginnen, denn leider könnt ihr nicht da oben bleiben. Bis zu dem Augenblick, an dem ihr begriffen habt, dass ihr eure Schulden bezahlen und das Schlechte, das ihr angerichtet habt, reparieren mĂŒsst. Das ist Karma, das ist Gerechtigkeit. Der Herr kommt nicht, um euch zu bestrafen, doch Er hat die Welt auf Gesetze gegrĂŒndet. ZwangslĂ€ufig setzen sich die RĂ€derwerke in Gang, entsprechende Wesen werden herbeigerufen und verlangen von euch, alles wieder in Ordnung zu bringen. Der Herr hat keine Zeit, sich um all dies zu kĂŒmmern, Er ist Liebe und lebt nur in der Herrlichkeit.

Die neue Religion ist die Religion aller höheren Seelen und großen Meister, welche die Menschheit den Weg der Gottwerdung lehrten.

Es heißt in den Evangelien: »Falsche Propheten werden kommen im Gewand von Schafen, aber im Inneren sind sie reißende Wölfe. An ihren FrĂŒchten werdet ihr sie erkennen« (Mt 24,11). Will man diese Worte Jesu richtig interpretieren und sich dabei nicht in WidersprĂŒche verstricken, braucht man ein umfassendes VerstĂ€ndnis und klares Unterscheidungsvermögen. In Wahrheit hat Gott niemals damit aufgehört, Seine Diener auf die Erde zu schicken. Sollen wir nun glauben, nur weil die Kirche diese Diener nicht anerkennt, Gott habe seit zweitausend Jahren niemanden geschickt? Die Erde sei wĂ€hrend dieser ganzen langen Zeit ohne Licht und ohne WĂ€rme gewesen? Die Heiligen hĂ€tten uns vergessen? Wollte Er nicht mehr in diese Welt hinabsteigen? Nein. Es wĂ€re doch traurig und dumm zu glauben, es hĂ€tte nach Jesus nur falsche Propheten gegeben; man ist nur nicht in der Lage, die wahren von den falschen zu unterscheiden. Jesus sagte außerdem: »An der Frucht erkennt man den Baum« Mt 12,33). Also bringt alles, was Böses produziert, falsche Propheten hervor. Die Regenten der Völker, welche diese in Kriege treiben und sie in den Abgrund stĂŒrzen, das sind falsche Propheten. Dennoch folgt man ihnen, zitiert weiter SprĂŒche ĂŒber falsche Propheten und schert sich nicht um Sanftmut, Reinheit und Licht!

Gott ist Liebe, und gerade weil Er Liebe ist, hat Er Seinen Kindern vor Mitleid ĂŒberströmende Propheten und Apostel geschickt, welche die Freuden des Paradieses aufgaben und sich aufopferten. Es sind zu allen Zeiten welche heruntergekommen und tun es immer noch, um der Menschheit zu helfen. Und an ihren FrĂŒchten wird man sie erkennen.

Die Meister vermitteln ihre Lehre gemĂ€ĂŸ dem Land und der Epoche, in der sie sich inkarnieren, doch ihr Ziel bleibt das gleiche: die Vervollkommnung.

Man darf nicht verlangen, dass alle großen Meister sich gleichen, dass sie die gleichen Gesten, die gleiche Stimme, die gleichen Methoden haben. Das ist unmöglich. Jeder muss so bleiben, wie er ist. Es wird von der unsichtbaren Welt darauf geachtet, dass er seine Mission gut erfĂŒllt. Das ist alles, was die unsichtbare Welt verlangt. Jesus konnte weder so sein wie Moses, noch Zarathustra so wie Hermes Trismegistos, noch Platon so wie Pythagoras, noch Apollonius von Tyana so wie Orpheus. Jeder wirkt auf seine Weise am Aufbau dieses mystischen Tempels mit, der die Erkenntnis der Mysterien bedeutet, aber die Epochen sind verschieden und die Bedingungen auch. Man muss zu Moslems anders sprechen als zu Hindus oder Christen.

Jesus sagte nicht, man solle vollkommen werden wie er selbst oder wie Moses oder wie Buddha, sondern wie der Himmlische Vater. Das ist die wahre Lehre! Die Menschen haben sich noch nicht so weit geöffnet. Ihre BeschrĂ€nktheit, ihre Frömmelei, ihr Fanatismus verursachen all ihr UnglĂŒck. Bleibt auch nicht bei mir stehen. Ich bin nur ein Wegweiser, der den Weg aufzeigt. Ich möchte euch nicht bei mir zurĂŒckhalten. Wenn ihr wirklich nach einem hohen Ideal sucht, nach absoluter Vollkommenheit, dann lasst alles los, lasst mich los und geht zur Sonne.

Dieser Text stammt aus dem Buch »Die neue Religion« von Omraam Mikhael Aivanhov, Kapitel 16: »Die wahren Grundlagen der Religion«.