Wissen soll lebendig sein

Das lebendige Wissen

Der Philosophie zufolge, die mir ĂŒbermittelt wurde, befindet sich alles, was ich euch offenbare, in Harmonie mit dem Ziel, das wir erreichen wollen: nĂ€mlich die Menschen zu lehren, wie man sich vervollkommnen und sich entfalten kann, um das neue Leben zu leben. Wenn man andere Ziele, eine andere Auffassung hat, kann man diese Ideen natĂŒrlich durch entgegengesetzte Ideen ersetzen. Wir jedoch, die wir die Universelle BrĂŒderlichkeit, das Reich Gottes auf Erden wollen, wir mĂŒssen alles auf dieses Ziel hin ausrichten, das heißt auf das Licht, auf Herrlichkeit, Entfaltung, Schönheit, Freude und Liebe. Alles, was ich euch erklĂ€re, alles was ich euch an Mitteln und Methoden gebe, stimmt genau mit unserem angestrebten Ziel ĂŒberein, und ich bin glĂŒcklich, die Menschen in diese Richtung fĂŒhren zu können.

Meister Omraam MikhaĂ«l AĂŻvanhov macht uns aufmerksam auf das Erbe von Eingeweihten und großen Meistern der Menschheit wie Jesus, Moses, Platon, Pythagoras, Hermes Trismegistos, Orpheus, Zarathustra, Lao-Tse, Krishna, Buddha, Rama usw.

Ohne das Erbe der großen Eingeweihten bringen wir nichts zustande. Ohne sie ist unser Gang unsicher und schwankend. Wenn Physiker, Chemiker und Astronomen uns nicht ein ĂŒberwĂ€ltigendes Erbe hinterlassen hĂ€tten, was könnten wir heute leisten? Stellt euch einen Chemiker vor, der erst versuchen mĂŒsste, die Elektrolyse des Wassers zu entdecken, um seine Forschungen durchfĂŒhren zu können. Er ist froh, dass wir »Erbschaften« auf der materiellen Ebene besitzen, und wir sollten dankbar dafĂŒr sein. Wir vergessen aber das Erbe, das wir auf der geistigen Ebene mitbekommen haben.

Deshalb sollten wir uns mit den Wesen verbinden, die ĂŒber uns stehen. Wir können nichts tun, wenn wir nur auf unsere sehr begrenzte Erfahrung und auf unsere persönlichen, unzureichenden Anstrengungen zĂ€hlen, denn wir sind schwach und blind. Wir mĂŒssen auf die Wesen zĂ€hlen, die ĂŒber uns stehen, auf die großen Meister der Wahrheit, damit sie uns ihre Erfahrungen mitteilen können, deren Umfang unfassbar ist und damit wir dank ihnen mit der Wahrheit, mit Christus und mit dem Herrn verbunden sind.

Die Entdeckungen und Opfer dieser Vollendeten Seelen, dieser am weitesten entwickelten Geister, die die Menschheit kennt, ermöglichen es uns, nach und nach der Unermesslichkeit seiner geistigen Arbeit bewusst zu werden.

Die Menschen haben stets die Tendenz das Leben zu vernachlĂ€ssigen. Sie denken, da sie nun einmal das Leben haben, können sie sich auch seiner bedienen, um all ihre Begierden zu befriedigen. – Dann schöpfen und schöpfen sie, und wenn sie alles ausgeschöpft haben, sind sie zu gar nichts mehr im Stande. So zu handeln hat ĂŒberhaupt keinen Sinn, denn was bleibt einem noch, wenn man das Leben verliert? Das Leben ist das Wesentliche. Man muss sich mit dem Leben beschĂ€ftigen, d. h. es beschĂŒtzen, es bewahren, es rein halten, es heiligen und alles, was es hemmt oder blockiert, beseitigen, denn dann erhĂ€lt man dank dieses Lebens alles: Intelligenz, Kraft, Schönheit, Macht usw.

Als Jesus sagte: »Ich bin gekommen, um ihnen das Leben im Überfluss zu geben«, von welchem Leben sprach er da? Nicht vom physischen Leben, von der VitalitĂ€t, die seine SchĂŒler bereits hatten. Er sprach von einem anderen Leben, von einem derart subtilen, geistigen, lichtvollen, göttlichen Grad des Lebens, das den Menschen befĂ€higt das zu sehen, zu hören, zu fĂŒhlen, zu schmecken und zu berĂŒhren, was man mit einem rein physischen, rein tierischen Leben nie erreichen kann. So verstand Jesus das Leben, und er betete dafĂŒr, dass der Himmel seinen JĂŒngern dieses geistige Leben gebe, das allein wahres Verstehen und das Atmen in den himmlischen Regionen ermöglicht.

Deshalb ist das Wissen, das von den Eingeweihten gelehrt wird, grundverschieden vom offiziellen Wissen.

Viele beurteilen die Menschen nach dem Umfang ihres Wissens, aber die KrĂ€fte, die sie vermitteln, die Begeisterung, die sie bei den anderen erzeugen, der Lebensmut, den sie all denen einflĂ¶ĂŸen können, die sich ihnen nĂ€hern, ist fĂŒr sie zweitrangig. Sie gleichen denen, die keine Achtung gegenĂŒber dem Brot, dem Wasser und der Luft empfinden. Dennoch nĂŒtzen weder Philosophie noch Wissenschaft noch Kunst etwas, wenn wir nichts zu essen bekommen haben und nicht lebendig sind. Nun bietet man zwar den Studenten an der UniversitĂ€t Philosophie und Wissenschaft, aber man ernĂ€hrt sie nicht. Deshalb stehen sie auf schwachen Beinen, haben ein leeres Herz und einen vernebelten Blick. Ich meine das selbstverstĂ€ndlich symbolisch. In der Schule der großen Eingeweihten hingegen werden die Studenten gut ernĂ€hrt, und wenn sie stark und krĂ€ftig geworden sind, gibt man ihnen einen Pflug, erklĂ€rt ihnen wie man die Erde bearbeitet und schickt sie an die Arbeit. Wenn ich hier von Erde spreche, so meine ich damit die Erde, die jeder Mensch in sich selbst besitzt. Diese Erde ist sein eigener Kopf. Diejenigen, die es verstehen, gute Samen in ihre Erde zu legen, werden sich ihr ganzes Leben lang satt essen können. Die anderen werden nur Disteln, Stacheln und Dornen wachsen sehen, die zu nichts nĂŒtze sind, sondern ihnen selbst und den anderen nur schaden.

Die Professoren, die nur die Ă€ußeren Bereiche des Menschen bis in alle Einzelheiten kennen, haben vergessen, die Erde, die Gott ihnen gegeben hat, zu studieren. Sie haben darauf irgendetwas, irgendwann und irgendwie gepflanzt. Die Weisen hingegen, die ihre eigene Erde studieren und kundig bebauen, können anschließend dank der FrĂŒchte, die sie ernten, die ganze Welt ernĂ€hren.

Das Wissen vom Leben wird den Sieg ĂŒber alles andere Wissen davontragen.

Das offiziell anerkannte Wissen ist nĂŒtzlich. Es bereichert den Menschen sehr und verhilft ihm zu einer guten Stellung, zu Ansehen, AutoritĂ€t und Geld. Aber dieses Wissen verĂ€ndert ihn nicht, weil es ein Wissen ist, das nur an der OberflĂ€che bleibt; es berĂŒhrt ihn nicht in der Tiefe. Ihr könnt Kenntnisse ĂŒber Kenntnisse anhĂ€ufen und bleibt doch immer so, wie ihr seid: Wenn ihr Ă€ngstlich, sinnlich, jĂ€hzornig oder gierig seid, so bleibt ihr Ă€ngstlich, sinnlich, jĂ€hzornig oder gierig. Weder die Physik noch die Biologie noch die Grammatik kann euch verĂ€ndern. Mit dem Einweihungswissen hingegen, das euch nicht an der OberflĂ€che dahintreiben lĂ€sst, sondern euch in die Tiefe und in die Höhe fĂŒhrt, könnt ihr nicht der bleiben, der ihr seid. In der Zukunft werden sich die Menschen nicht mehr so sehr darin ĂŒben Wissen anzuhĂ€ufen; sie werden sich mit ihrem Charakter, mit ihrer inneren Welt beschĂ€ftigen. Sie werden sich mit dem Wesentlichen beschĂ€ftigen, mit dem Leben: dem Leben, das man ausströmt und dem Licht, das man ausstrahlt. Dann kommt das wahre Wissen – das ewige, unendliche Wissen.

Die nĂŒtzlichsten Kenntnisse sind diejenigen, die uns helfen zu leben, die uns sagen, wie wir unser Leben ausrichten können; welches hohe Ideal wir haben sollten; wie wir Gedanken und GefĂŒhle, die uns betrĂŒben, verwandeln können; wie wir die Ereignisse um uns herum deuten können; wie wir unsere Verbindungen zum Makrokosmos erkennen können; wie wir essen, schlafen, uns waschen, atmen und lieben können. Das ist das Wissen, das wir erwerben sollten.

Der Ausgangspunkt dieser Wissenschaft vom Leben ist die Kenntnis der Struktur des Menschen.

Alle Probleme können leicht gelöst werden, wenn man die Struktur des Menschen kennt, die KrĂ€fte, die in ihm wirken und seine Verbindungen zum Universum, so wie dies die Eingeweihten seit Jahrtausenden erforscht haben. Viele Gelehrte betrachten den Menschen als eine Maschine. Lange Zeit haben sie ihn mit einem Mechanismus verglichen, ohne zu ahnen, dass es in ihm noch unbekannte KrĂ€fte, Wesen und Intelligenzen gibt, die fĂ€hig sind, im Organismus Elemente herzustellen, die es noch nicht gab. Sie wissen nicht, dass der Mensch ĂŒber den physischen Körper hinaus noch mehrere andere Körper besitzt: den Ätherkörper, den Astralkörper, den Mentalkörper, den Kausalkörper, den Buddhikörper und den Atmankörper. Sie wissen weder, was Verstand noch was Wille bedeutet, geschweige denn was Seele und Geist bedeuten!

Die Wissenschaft sollte den Menschen jetzt an die erste Stelle setzen, sie sollte seine unsichtbaren Aspekte erforschen: seine Aura, seine Emanationen, seine Schwingungen, den Austausch, den er mit allen Wesen unterhĂ€lt, die FĂ€higkeiten, die er besitzt, sich im Raum von einem Ort zum anderen zu bewegen, Wellen zu empfangen, Dinge ĂŒber große Entfernungen hinweg zu sehen und auf sie einzuwirken.

Dann wird sich alles verĂ€ndern. Wenn man sich mit dem Menschen beschĂ€ftigt, ist man im Herzen der Dinge, denn der Mensch ist der SchlĂŒssel des Universums.

Man bildet sich ein, dass man mit dem Verstand wirklich begreift. Nein, das VerstĂ€ndnis, das wahre VerstĂ€ndnis erfolgt nicht mit Hilfe von ein paar Zellen des Gehirns: Es erfolgt mit dem ganzen Körper, sogar mit den FĂŒĂŸen, den Armen, dem Bauch, der Leber. Der ganze Körper, alle Zellen mĂŒssen verstehen. Das wahre VerstĂ€ndnis ist eine Empfindung. Ihr empfindet, und im gleichen Moment versteht ihr und wisst, weil ihr gekostet habt. Kein intellektuelles VerstĂ€ndnis kommt der Empfindung gleich.

Geistig erkennen heißt, in demselben Rhythmus, derselben SchwingungsintensitĂ€t leben, wie das, was man erkennen möchte.

Wenn man eine bestimmte Region oder ein bestimmtes Wesen im Universum erkennen will, so muss man wissen, wie man damit in Harmonie schwingen kann und wie man die genaue WellenlĂ€nge dieser Region oder dieses Wesens findet. Wenn es dem Menschen gelingt, in derselben WellenlĂ€nge zu schwingen, d. h. sich mit einem Wesen oder Gegenstand zu synchronisieren, zu identifizieren, mit ihm zu verschmelzen – all diese Wörter drĂŒcken die gleiche Idee aus – dann erkennt er dieses Wesen oder diesen Gegenstand.

Das Erkennen ist nichts anderes als ein Anpassen, ein Angleichen, ein Verschmelzen mit dem, was man erkennen möchte. Und wenn man sagt: »Adam erkannte Eva«, so bedeutet dies, dass sie sich auf die gleiche WellenlĂ€nge eingestimmt haben. Man kann kein Geschöpf erkennen, wenn man es nur physisch umarmt; man muss so schwingen, denken und fĂŒhlen wie es. Und auch mit dem Herrn, der unsichtbaren Welt, den Engeln, den großen Meistern mĂŒssen wir uns synchronisieren, damit wir sie erkennen können.

Man kann nicht sagen: »Ich habe etwas gesehen, ich habe es berĂŒhrt – also kenne ich es.« Wenn das so einfach wĂ€re! Kennen wir die Erde, weil wir sie berĂŒhren? O nein, die Erde ist ein großes Mysterium, das man kĂŒnftig genauer erforschen muss, um ihre Baustellen und Laboratorien mit allen Wesen, die darin arbeiten, zu erkennen. Niemand hat einen Begriff von der Erde, außer den großen Eingeweihten, die in Gedanken hinabsteigen und sie bewusst in Augenschein nehmen. Kennt man das Wasser, weil man es trinkt? Kennt man die Luft, weil man atmet und das Wehen und Streicheln des Windes empfindet? Auch das Licht und die WĂ€rme der Sonne kennt man nicht, obwohl man sie empfindet und sieht; das ist nur die physische Seite. Um die Sonne wirklich zu kennen, muss man fĂ€hig werden, sie mit hoher, kristallklarer Aufmerksamkeit zu betrachten, einer Aufmerksamkeit, die man im Vorhinein entwickelt hat, damit man sich mit dem Licht, der WĂ€rme und dem Leben, das von ihr ausströmt, synchronisieren kann. Wenn man immer intensiver schwingt, das heißt wenn man im universellen Sinne die eigene PersonalitĂ€t ĂŒberwindet, beginnt man, die Sonne zu erkennen, und durch diese Erkenntnis, durch diesen Kontakt mit der Sonne versteht man den Sinn des Lebens.

Die Methode, die das Erkennen mit der IntensitĂ€t des Lebens gleichsetzt, kann bis zu Gott hinfĂŒhren.

Jesus sagte: »Das ist aber das ewige Leben, dass sie Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen« (Jh 17,3). Aber wie soll man den Herrn erkennen? In Wirklichkeit sind wir nicht von Ihm getrennt. Um Ihn jedoch erkennen zu können, mĂŒssen wir die IntensitĂ€t unserer Schwingungen erhöhen, damit wir die entsprechende WellenlĂ€nge finden können; das heißt, wir mĂŒssen uns mit Ihm identifizieren. Denn das Erkennen ist nichts anderes als ein Anpassen, ein Verschmelzen mit dem Wesen, das man erkennen möchte, also eine Übereinstimmung der Schwingungen. Deshalb bedeutet das Erkennen des Herrn ewiges Leben.

Die Wissenschaft hat seit langem den Weg der Analyse eingeschlagen, die heutige Welt fordert jedoch eine synthetische Sichtweise der Dinge.

Die Analyse ist ein Hinabsteigen in die Materie, die Synthese ein Hinaufsteigen zum Geist. Je höher man hinaufsteigt, desto mehr verliert man zwar den Blick fĂŒr die Details der Dinge, aber das Ganze wird sichtbar und man nimmt eine grĂ¶ĂŸere Menge von Ereignissen und GegenstĂ€nden wahr. Je höher man hinaufsteigt, desto mehr ist man gezwungen, eine Synthese herzustellen. Dank dieser Synthese erfasst man die Einheit, denn man entdeckt ein einheitliches Prinzip in der Verbindung zwischen allen Dingen und nĂ€hert sich dem wahren Wissen.

Mit der Synthese verschmelzt ihr mit dem Schöpfer und dem ganzen Universum und werdet groß, reich und lebendig. Mit der Analyse beschrĂ€nkt ihr euch und geißelt ihr euch selbst, bis es bald zu Ende mit euch ist. Analyse bedeutet Tod… Synthese bedeutet Leben…

Ein Beweis: Was macht die Mutter? Um ihr Kind zu formen, macht sie eine Synthese aus Milliarden von Elementen. Das Kind ist die lebendige Synthese, die sich bewegt, isst und spricht. SpĂ€ter, wenn die Stunde der Analyse gekommen ist, geht jedes Teilchen des Körpers in die ihm entsprechende Region zurĂŒck: in die Erde, in das Wasser, in die Luft und in das Feuer, genauso wie die Buchstaben in den Setzkasten des Schriftsetzers zurĂŒckkehren. Wenn ihr also weiterhin hartnĂ€ckig am Analysieren, Auflösen und Auseinandernehmen von Dingen und Menschen festhaltet, geht ihr auf den Tod, den geistigen Tod zu.

Der Individualismus, das auf die eigene Person bezogene, egoistische Leben endet im geistigen Tod: Man trennt sich, isoliert sich, sondert sich von den anderen ab, und das ist der Tod. Das gemeinschaftliche, brĂŒderliche Leben hingegen ist eine Synthese, die das Leben, die Auferstehung bringt. Wenn man nicht die Universelle Weiße Bruderschaft in der Welt verwirklichen will, nun, so bedeutet dies, dass man fĂŒr den geistigen Tod arbeitet. Um leben zu können, muss man ein hohes Ideal der Synthese haben, und dieses Ideal ist das Reich Gottes.

Gibt es ein einprÀgsameres Bild als einen Flusslauf, um die Einheit allen Lebens begreifbar zu machen?

Der Fluss entspringt hoch oben im Gebirge, dann fließt er hinunter in die Ebene. Wenn das Wasser aus der Quelle hervorsprudelt, ist es noch ganz rein und kristallklar, aber nach und nach wĂ€hrend des Herabfließens durchquert es allerlei Regionen, und da die Bewohner dieser Regionen nicht so gewissenhaft sind, haben sie die Gewohnheit, all ihre KĂŒchenabfĂ€lle und ihren Schmutz in den Fluss zu werfen, ohne an die Bewohner der weiter unter liegenden Regionen zu denken, die dieses schon verschmutzte Wasser trinken mĂŒssen. Diese machen ĂŒbrigens dasselbe. Sie entledigen sich ihres ganzen MĂŒlls in den Fluss, und wenn das Wasser die Ebene erreicht, kann man daran sterben, wenn man es trinkt. Was stellt dieser Strom dar? Er ist eines der tiefgreifendsten Symbole. Er ist der kosmische Strom, der in der Offenbarung des Johannes erwĂ€hnt wird, der Strom, der alle Geschöpfe trĂ€nkt. Dieser Strom fließt bis zu uns herab, nachdem er alle Engelshierarchien durchquert hat: die Seraphim, die Cherubim, die Throne, die Herrschaften, die MĂ€chte, die Gewalten, die FĂŒrstentĂŒmer, die Erzengel und die Engel, und jede dieser Hierarchien fĂŒgt diesem Strom all ihre QualitĂ€ten und Tugenden hinzu. Der Strom durchquert endlich die Region der Vollendeten Seelen, der Propheten, der großen Meister, der Eingeweihten und derjenigen, die Weisheit, Reinheit und Heiligkeit erlangt haben. Er ernĂ€hrt sie, er stillt ihren Durst, er belebt sie.

Aber wenn der Strom noch weiter unten in der Region der gewöhnlichen Menschen ankommt, so ereignet sich genau das, was ich euch soeben ĂŒber den Fluss gesagt habe, der vom Gebirge herabfließt und in den man unaufhörlich MĂŒll und KĂŒchenabfĂ€lle wirft. Auf der mentalen, der astralen und der physischen Ebene werfen die Menschen, ohne es zu wissen, ihre Gedanken und GefĂŒhle in diesen Strom, in das Leben. Deshalb sind sie gezwungen, die AbfĂ€lle voneinander zu essen wie die Kaulquappen in einem Sumpf. Sie können nicht anders, sie können nicht heraussteigen, um reines Wasser zu trinken. Der Sumpf ist das Bild der Welt. Ja, die Welt ist wie ein Sumpf, in dem Kaulquappen, Frösche und Kröten ihren Schmutz ablagern, d. h. ihren Groll, ihre Bosheiten, ihren Zorn, und alle um sie herum nehmen es auf und vergiften sich.

Wie das Wasser, so wird auch das Leben verfĂ€rbt, verschmutzt oder gereinigt, je nach den Regionen, die es durchquert. Aber ob es rein oder verschmutzt ist, das Leben ist immer das Leben. Nur hat es Abstufungen, und je nach den Regionen, die es durchquert und den Geschöpfen, die diese Regionen bewohnen, hat es bestimmte Eigenschaften und QualitĂ€ten oder auch nicht. Aber der Strom bietet nicht jedem das gleiche Leben. Oftmals sagen mir manche Menschen: »Meister, da kann man nichts machen, so ist das Leben.« Und ich antworte: »Ja, so ist das Leben – aber welches Leben? Das Leben der Kröte, das Leben des Wildschweins, das Leben des Krokodils – oder das Leben eines Engels?« Dieses Leben, das von Gott kommt, hat also Abstufungen, und es fließt bis in die unterirdischen Regionen hinab, um die niederen Geschöpfe zu ernĂ€hren. Ja, es nĂ€hrt sogar die Teufel und die DĂ€monen. Von wem, glaubt ihr, hĂ€tten sie sonst ihr Leben bekommen? Es mĂŒsste ein anderer Gott ein anderes Leben erschaffen haben, d. h. es gĂ€be einen Gegner Gottes, der genauso mĂ€chtig oder sogar noch mĂ€chtiger wĂ€re als Er. Nein, es gibt nur einen einzigen Gott und dieser nĂ€hrt sogar die Teufel. Nur bekommen die Teufel nicht die reinste Nahrung, sie mĂŒssen sich mit dem begnĂŒgen, was ĂŒbrig bleibt, was schon dreckig, schmutzig und verdorben ist. Und das ist ĂŒbrigens das Schicksal aller unterirdischen Geschöpfe. Sie mĂŒssen sich damit begnĂŒgen, irgendwelche KĂŒchenabfĂ€lle zu knabbern, die vom göttlichen Leben abfallen.

Dieser Text stammt aus dem Buch »Die neue Religion« von Omraam Mikhael Aivanhov, Kapitel 1: »Der Strom des Lebens«.