Die kosmische Bedeutung der Nahrung

Bis heute haben alle, die fĂŒr den Himmel arbeiten wollten, die Erde vollstĂ€ndig vergessen. Nein, das war nicht die beste Lösung. Die beste Lösung ist, beides zu haben, Erde und Himmel. Das heißt, man hat den Kopf im Himmel und die FĂŒĂŸe auf der Erde, man ist gleichzeitig Realist und Mystiker. Solche Vorbilder gibt es jedoch nicht. Alle sind entweder das eine oder das andere. Man hat zum Beispiel nie Mystiker oder Ordensleute gesehen, die essen und dabei sagen: »Mmmh, das ist ja köstlich, das ist wunderbar!« Nein, im Gegenteil, sie essen alles, als ob sie sich dazu zwingen mĂŒssten, als wĂŒrde die Nahrung nach nichts schmecken, denn wie es scheint, darf man kein VergnĂŒgen am Essen haben. Das ist nicht religiös, das ist nicht mystisch! Wenn manche Leute sehen wĂŒrden, wie ich esse, dann wĂ€re ich schon abgestempelt. Sie wĂŒrden sagen: »Aber das ist doch kein Spiritualist! Schaut ihn euch an, er ist begeistert, es schmeckt ihm, er bewundert das Essen auch noch lautstark. Das ist doch unmöglich! Ein Spiritualist darf nicht mit so einem guten Appetit essen.« Nun, ich mache mich ĂŒber ihre Meinung lustig. Ich glaube, dass man sogar beim Essen Erde und Himmel vereinigen kann.

Das Leben ist ein ununterbrochener Umwandlungsprozess: Von der Pflanze bis hin zu Gott lĂ€sst sich alles, was existiert, von dem ihm ĂŒbergeordneten Naturreich absorbieren.

Die Pflanzen leben auf dem Boden und ernÀhren sich von Mineralien, die Tiere essen die Pflanzen und was die Menschen betrifft, so essen sie die Tiere oder wenigstens deren Erzeugnisse. Und wer isst die Menschen? Es gibt Wesenheiten, die sich von den Menschen ernÀhren oder wenigstens von dem, was der Mensch ausströmt. Auf diese Weise könnt ihr die Leiter der Wesen hinaufsteigen bis zum Herrn, der sich von allen himmlischen Wesen ernÀhrt. Ja, Er isst sie, Er verzehrt sie, Er schluckt sie. Doch auf dieser so reinen, so erhabenen Ebene erzeugt das Gegessenwerden nicht mehr die gleichen Leiden, die gleichen Schrecken, die gleichen Schmerzen wie in den niederen Regionen.

Die Erde, die Kristalle, die Felsen, die Pflanzen leiden nicht, wenn man sie isst, weil ihr Astralkörper noch nicht entwickelt ist (der Astralkörper ist der Sitz der GefĂŒhle); sie haben nur den Ätherkörper. Erst ab dem Tierreich leidet ein Geschöpf, wenn es von einem anderen gegessen wird. Wenn man jedoch noch höher hinaufsteigt, in die himmlischen Regionen, verschwindet der Schmerz und verwandelt sich in Freude; so sehr, dass das Gegessen-Werden von erhabenen Wesen ein GlĂŒck, eine Freude, eine unglaubliche, unbeschreibliche GlĂŒckseligkeit ist. Deshalb hieß es in allen Religionen, der Mensch solle sich als Opfer darbieten, damit sich der Herr von ihm ernĂ€hren kann. Dieses Bild soll zeigen, dass der Mensch vom Herrn verzehrt wird, dass er in Ihm seine Wohnung hat.

In Wirklichkeit ernĂ€hrt sich der Herr nicht von den Menschen, sondern ausschließlich von den Seraphim, den Cherubim und den Thronen oder vielmehr von ihren Emanationen, von ihrem Licht. Denn wenn es auch Fleischesser gibt, die grausam genug sind, das Fleisch von Tieren zu essen, so nehmen die Vegetarier nur Milch, Eier und Honig und sonst nichts. Ebenso zerstören oder verschlingen die höheren Wesen nicht die Geschöpfe selbst, sondern sie nehmen nur, was diese ausströmen: ihre schönsten Gedanken, GefĂŒhle und Handlungen. Sie werden gesĂ€ttigt und das Geschöpf bleibt unversehrt. Ihr habt nun einen ersten Einblick bekommen in eine wunderbare Wissenschaft.

Der Sinn des Opfers in den Religionen

Warum hat es in allen Religionen immer das Opfer gegeben? Warum musste man frĂŒher Tiere opfern oder verbrennen und manchmal sogar Menschen? Warum war es nötig, so oft den Gottheiten und selbst Jehova zu opfern? Denn, schaut in die Bibel, dort heißt es, der Rauch des Opfers steige auf bis in die Nase des Herrn als angenehmer Duft. Welches Mysterium steht hinter all den Opfern? Und warum hat sich nach dem Kommen Jesu alles verĂ€ndert? Von nun an war es nicht mehr das Vieh, das der Mensch opfern sollte, sondern seine inneren Tiere, das heißt seine SchwĂ€chen, seine Leidenschaften, seine Begierden, seine Sinnlichkeit. Und genau das bedeutet Opfer.

Ich habe schon ĂŒber das Geheimnis des Feuers gesprochen und euch gezeigt, wie die dunklen Scheite, die schwarzen Äste ohne Schönheit sich in ein so strahlendes, schönes und angenehmes Licht verwandeln und dass darin das große Mysterium des Opfers liegt. Also, all diejenigen, die es nicht verstanden haben und die sich nicht als Opfer darbieten wollen, um vom Herrn gegessen zu werden, bleiben Tiere, Insekten, Ungeheuer. Doch diejenigen, die darum bitten, vom Feuer verzehrt zu werden, dem erhabenen Feuer der göttlichen Liebe, sie sterben nicht und werden außerdem auch noch neu belebt. Und deshalb sind die Worte Jesu: »Wenn ihr nicht sterbet, so werdet ihr nicht leben« wirklich wahrhaftig. Man muss sterben, aber wie? Soll man sich mit einem Messer erstechen oder sich mit dem Revolver erschießen? Nein, selbstverstĂ€ndlich hatte Jesus nicht den physischen Tod im Sinn. Er sprach vom Tod der PersonalitĂ€t, das heißt, den WĂŒnschen, Lastern, den Leidenschaften. Er meint also das Sterben auf der niederen Ebene, um endlich auf der höheren Ebene zu leben, auf der Ebene der IndividualitĂ€t. Dann wird man feststellen, dass die IndividualitĂ€t sich wirklich ernĂ€hrt und isst.

Gewöhnlich ist es die PersonalitĂ€t, die sich von uns ernĂ€hrt. Ihr grĂ¶ĂŸter Wunsch ist es, uns zu packen, uns zu fesseln, uns auszuplĂŒndern und es sich schmecken zu lassen. Zwanzigmal, dreißigmal, fĂŒnfzigmal am Tag ĂŒberlistet sie uns und weidet sich an uns. Danach fĂŒhlen wir uns geschwĂ€cht und sie, gut gestĂ€rkt, bietet uns weiter die Stirn. Doch dann, wenn wir die IndividualitĂ€t zu Hilfe rufen – denn auch sie hat Hunger und weiß sich sehr gut zu helfen – wird bald keine Spur von der PersonalitĂ€t mehr ĂŒbrig bleiben.

In Tibet gibt es gewisse Sekten, bei denen die Adepten in der Nacht – um den erhabenen Geistern zu zeigen, dass sie keine Angst haben – auf die Hochebenen steigen und bestimmte Formeln sprechen, die alle höllischen Geister dazu einladen, sie zu verschlingen. Und dann, wenn diese Geister kommen: Was fĂŒr eine PrĂŒfung! Diejenigen, die standhalten, die keine Angst haben, sind danach fĂ€hig, alles in ihrem Inneren zu besiegen. Doch viele sterben dabei… Ich bin da anderer Auffassung. Ich denke, dass man den Herrn bitten sollte, uns Engel zu schicken, die uns dann essen, denn sie sind so vernĂŒnftig, so Ă€sthetisch, so intelligent, dass sie sich auf die PersonalitĂ€t stĂŒrzen wĂŒrden, um uns von ihr zu befreien und um aus uns freie Wesen zu machen. Doch wenn ihr es nicht wagt, darum zu bitten, dass ihr von den Engeln gegessen werdet, weil ihr Angst habt, so sterbt ihr wirklich. Man muss durch diesen Tod hindurchgehen, um leben zu können, und das bedeutet »sterben, um zu leben«.

Das Opferlamm

Wenn man in frĂŒheren Zeiten ein Haus errichten wollte, war es in manchen LĂ€ndern der Brauch, das Fundament mit dem Blut eines Lammes zu begießen, damit das Haus fest und geschĂŒtzt sei. Das geschah, um alle daran zu erinnern, dass vor der Schöpfung der Welt das Opfer eines Lammes oder eines Lebewesens notwendig war, um dieser Schöpfung feste Grundlagen zu geben. Christus ist das göttliche Lamm, der Geist der Liebe, der anzieht, nĂ€her bringt und unterstĂŒtzt. Die Liebe wurde als Basis der Schöpfung und des Universums eingesetzt. Sie hat sich hingegeben, sich geopfert, sie hat die Materie des gesamten WeltengebĂ€udes durchtrĂ€nkt. Sie ist die Verbindung, der Zement, der verhindert, dass sich das Universum auflöst. Überall, in den Steinen, in den Sternen stĂŒtzt diese Liebe das GerĂŒst. Wenn die Liebe verschwindet, beginnt sich unser Körper zu zersetzen. Die Liebe vereinigt alle Zellen der Schöpfung. Entfernt die Liebe und alles beginnt sich aufzulösen, der Tod tritt ein. Die Liebe ist das große Geheimnis des Universums. Ebenso wie das Lamm sich opfern musste, mĂŒssen sich auch die Menschen opfern. Und deshalb sagen die Eingeweihten: »Bringt euren Körper und euer Herz als Opfer fĂŒr Gott dar.« Doch man hat das Opfer und seine wahre Bedeutung noch nicht verstanden.

Das Opfer ist die höchste, edelste, göttlichste Ausdrucksform. Ihr werdet nirgends im Universum eine Handlung finden, die das Opfer ĂŒbertrifft. Es ist, wenn ihr so wollt, das Omega, der letzte Buchstabe – es gibt keinen anderen dafĂŒr. Und Christus ist gekommen, um diesen letzten Buchstaben auszusprechen: das Opfer. Das Opfer bleibt fĂŒr alle Ewigkeit die erhabenste Handlung.

Man versteht nicht immer, was Opfer bedeutet. Wie oft hört ihr die Leute sagen: »Ich habe mich aufgeopfert!« Doch handelte es sich dabei wirklich um ein Opfer? Es gibt ein Kriterium, das es uns ermöglicht, dies zu beurteilen. Doch wir können es vorerst nur fĂŒr uns selbst beurteilen, nicht fĂŒr die anderen. Denn wenn wir nicht mindestens Meister oder Hellseher sind, können wir bezĂŒglich der anderen nicht wissen, ob ihre Handlung ein reines Opfer ist oder ob sich ein egoistisches, fremdes Element darunter mischt. Das Opfer ist eine völlig uneigennĂŒtzige Geste oder Bewegung, ein völlig uneigennĂŒtziger Gedanke oder ein ebensolches GefĂŒhl. Diejenigen, die sich genau analysieren wollen, um zu sehen, ob sie schon fĂ€hig sind, die Opfer zu verstehen, werden mit Bedauern feststellen, dass es oft die Berechnungen der niederen Natur sind, die sich mit hineingeschlichen haben. Und eben genau derer mĂŒssen wir uns entledigen, denn die wahre Entwicklung beginnt fĂŒr den Menschen erst an dem Tag, an dem es ihm gelingt, auf unpersönliche und uneigennĂŒtzige Weise zu handeln, an dem Tag, an dem seine IndividualitĂ€t begonnen hat, seine PersonalitĂ€t zu verspeisen.

In der Lehre der Universellen Weißen Bruderschaft wird ErnĂ€hrung als Yoga betrachtet.

Wenn ein Eingeweihter isst, so bemĂŒht er sich, aus der Nahrung bewusst die Elemente zu nehmen, die er zum Aufbau und zur Erhaltung seines physischen Körpers braucht. Da der Mensch aber nicht nur aus dem physischen Körper besteht, sondern noch andere feinstofflichere Körper besitzt, stellt sich die Frage, wie man diese feinstofflichen Körper ernĂ€hrt, die auf Grund unserer Unwissenheit oft unterernĂ€hrt sind. Wenn die Menschen auch ungefĂ€hr wissen, welche Nahrung sie ihrem physischen Körper geben mĂŒssen, so wissen sie nicht, wie man die anderen Körper ernĂ€hrt: den Ätherkörper (oder Vitalkörper), den Astralkörper (Sitz der Emotionen) und den Mentalkörper (Sitz der Gedanken).

Der Ätherkörper

Ich habe euch gesagt, dass man die Nahrungsmittel gut kauen sollte. Aber das Kauen ist fĂŒr den physischen Körper. FĂŒr den Ätherkörper muss die Atmung hinzukommen. Also solltet ihr wĂ€hrend des Essens von Zeit zu Zeit innehalten und tief atmen, um dem Ätherkörper die Möglichkeit zu geben, der Nahrung feinstoffliche Teilchen zu entziehen. Nur die tiefe Atmung ermöglicht diesen Vorgang. Doch wenn man spricht oder diskutiert wĂ€hrend man das Essen schnell und automatisch hinunterschlingt, ist der richtige Atemrhythmus gestört, die physiochemischen Reaktionen verlaufen nicht normal und es ergeben sich daraus ein SchweregefĂŒhl und Unwohlsein, was beweist, dass man nicht gegessen hat, wie man eigentlich sollte. Um seinen Ätherkörper zu ernĂ€hren, muss man also auch in Stille essen.

Der Astralkörper

Da sich der Astralkörper von GefĂŒhlen und Emotionen ernĂ€hrt, die aus noch feinerer und höherer Materie bestehen als die Ă€therischen Teilchen, kann man ihn mit einem GefĂŒhl der Liebe gegenĂŒber der Nahrung ernĂ€hren, indem man denkt, dass sie ein Reichtum, ein Segen ist und dass sie in den WerkstĂ€tten Gottes zubereitet wurde. Der Eingeweihte ermöglicht seinem Astralkörper, den Nahrungsmitteln noch feinere Teilchen als die Ă€therischen zu entziehen, indem er sich einige Augenblicke voller Liebe mit diesen Nahrungsmitteln beschĂ€ftigt. Wenn der Astralkörper diese Elemente aufgenommen hat, hat er alle Möglichkeiten, GefĂŒhle von Ă€ußerst hoher QualitĂ€t hervorzurufen: die Liebe zur ganzen Welt, das Empfinden, glĂŒcklich und voller Frieden zu sein, in Harmonie mit der Natur zu leben.

Wenn euer Astralkörper seine Nahrung aufgenommen hat, empfindet ihr ein unbeschreibliches WohlgefĂŒhl, ihr fĂŒhlt euch großzĂŒgig, bereit, alles zu geben, und wenn es darum geht, wichtige Fragen zu regeln, so zeigt ihr euch weitherzig, geduldig und wohlwollend, ihr versteht es, ZugestĂ€ndnisse zu machen. Wenn der Astralkörper hingegen nicht ernĂ€hrt wurde, wenn ihr gegessen und dabei genörgelt, andere kritisiert und euch geĂ€rgert habt, so agiert ihr anschließend mit Bitterkeit, NervositĂ€t und seid voreingenommen, und wenn ihr spĂ€ter schwierige Probleme zu lösen habt, so neigt sich die Waage immer zur negativen und ungerechten Seite hin. Danach rechtfertigt ihr euch, indem ihr sagt: »Was wollt ihr? Ich kann nichts dafĂŒr, ich bin nervös.« Um euch zu beruhigen, kauft ihr Medikamente in der Apotheke, doch werdet ihr euch weiterhin nervös fĂŒhlen, solange euch niemand gelehrt hat, wie man essen soll und solange ihr nicht wisst, dass die Art wie man isst das beste Mittel ist, die vollkommenste Umwandlung seiner selbst zu erreichen.

Der Mentalkörper

Um seinen Mentalkörper zu ernĂ€hren, konzentriert sich der Eingeweihte auf sein Essen und schließt sogar die Augen, um sich besser konzentrieren zu können. Die Nahrung ist fĂŒr ihn eine Manifestation der Gottheit, und er bemĂŒht sich also, aus allen Blickwinkeln an diese zu denken. Er fragt sich, woher sie kommt, was sie enthĂ€lt, welche QualitĂ€ten ihr entsprechen, welche Wesen sich mit ihr beschĂ€ftigt haben. Denn der Eingeweihte weiß, dass sich Wesen mit jedem GewĂ€chs, mit jeder Pflanze, mit jeder Frucht beschĂ€ftigen, und dass es von PlaneteneinflĂŒssen bestimmt wird, wenn sie zu einer bestimmten Zeit wachsen und reifen. Sein Geist ist also erfĂŒllt von all diesen Überlegungen, und er meditiert tief. So ernĂ€hrt sich sein Mentalkörper und entzieht der Nahrung höhere Elemente, als die Elemente der Astralebene. Er gewinnt daraus Klarheit, einen tiefen Einblick in das Leben und die Welt. Nach einer Mahlzeit, die unter solchen Bedingungen eingenommen wurde, steht er vom Tisch auf mit einer so außerordentlichen SinnesschĂ€rfe, dass er fĂ€hig ist, wunderbare intellektuelle Arbeit zu leisten.

Der Kausal- Buddhi- und Atmankörper

Ich habe euch schon mehrere Male gesagt, dass der Mensch jenseits des Äther-, des Astral- und des Mentalkörpers noch andere, feinstofflichere Körper besitzt: den Kausalkörper, den Buddhikörper und den Atmankörper, und auch diese Körper mĂŒssen ernĂ€hrt werden. Auf welche Weise? Nachdem die Eingeweihten geatmet, die Nahrung mit Liebe gegessen und ĂŒber sie meditiert haben, lassen sie sich von einem GefĂŒhl der Dankbarkeit dem Schöpfer gegenĂŒber durchdringen. Mit Hilfe dieser Nahrung erreichen sie sogar eine wirkliche Kommunion mit Ihm. Auf diese Weise nĂ€hren sie ihre drei höheren Körper und erleben VerzĂŒckungen und Ekstasen.

Alle Religionen, und besonders das Christentum mit dem Heiligen Abendmahl, haben eine symbolische und heilige Mahlzeit eingerichtet. Der Meister gibt dieser Idee der Kommunion ihre wirkliche und universelle Dimension: Er erweitert sie auf jeglichen lebendigen und segensreichen Austausch zwischen Mensch und Schöpfung und somit auch zwischen Mensch und Schöpfer.

Versucht, euch einige Minuten auf die Nahrung zu konzentrieren, die ihr gerade esst und denkt dabei, dass ihr mit dem ganzen Universum Kommunion feiert, und ihr werdet verstehen, dass es keine mĂ€chtigere magische Handlung gibt, denn gleich danach fĂŒhlt ihr euch wiederhergestellt, krĂ€ftig, bereit zu arbeiten. Welche Talismane, welche magischen Zeremonien sind fĂ€hig, euch solche Energien zu verleihen?

Die ganze Natur, die Sonne, die Sterne, die AtmosphĂ€re, die vier Elemente haben auf der Nahrung unsichtbare, aber wirkliche Spuren hinterlassen. Das ganze Universum hat sie mit allen möglichen Teilchen, KrĂ€ften und Energien geprĂ€gt. Die Nahrung kann euch also offenbaren, welche Wesen und KrĂ€fte daran gearbeitet haben, um sie wachsen zu lassen, um ihr diese oder jene Eigenschaft zu ĂŒbertragen.

Die Nahrung ist ein Brief, der vom Herrn geschrieben wurde, der aussagekrÀftigste Liebesbrief, da er uns sagt: »Man liebt euch, man bringt euch das Leben.«

Christus sagte: »Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben.« Aber wo sonst finden wir das Fleisch und das Blut Christi als in der Nahrung? Wie kann man leugnen, dass Gott die Nahrung gesegnet hat, bevor es der Priester tat? Das Leben, das wir aus dem GemĂŒse und aus den FrĂŒchten aufnehmen, ist das Leben Gottes. Nur mit Hilfe der ErnĂ€hrung kann man das Mysterium des Heiligen Abendmahles verstehen. Einen besonderen und sehr seltenen Tag abzuwarten, um die Kommunion mit einem besonderen Brot zu feiern, wĂ€hrend man seit seiner letzten Kommunion wie ein UnglĂ€ubiger gelebt hat, das ist gewiss nicht das Sakrament, das Jesus eingefĂŒhrt hat.

Gott ist ĂŒberall, und durch unsere Gedanken und GefĂŒhle können wir den ganzen Tag mit Seinem Geist die Kommunion feiern. Wenn man die Sonne anschaut, so sollte man mit dem Licht, der WĂ€rme und dem Leben die Kommunion feiern. Wenn man Wasser trinkt, so sollte man es aufnehmen, als wĂ€re es das Wasser des ewigen Lebens. Wer es nicht versteht Kommunion zu halten, stirbt den geistigen Tod.

Die Sonnenreligion offenbart uns, dass das WORT unsere Nahrung ist.

Die Sonne erzeugt alles, was wir essen und trinken, sie lĂ€sst den Weizen keimen und die Trauben reifen. Als Jesus sagte: »Esset, dies ist mein Fleisch, trinket, dies ist mein Blut« (Mt 26,26-27), so wollte er damit sagen, dass dieses Brot und dieser Wein das Fleisch und das Blut Christi sind. Und nicht nur Brot und Wein, sondern alles, was uns ernĂ€hrt und unseren Durst stillt: Liebe, Licht, Leben, die von der Sonne, von Christus kommen, sich verdichten und auf der Erde in Form von Samen und FrĂŒchten erscheinen. Man kennt die wahre Natur des Lichtes, der WĂ€rme und des Lebens noch nicht, die aus der Sonne kommen und im Universum so viele Umwandlungen bewirken, so viele Wohltaten an alle Geschöpfe verteilen: Es ist das WORT, Christus, der Geist Christi, der durch die Sonne hindurch immer da, immer gegenwĂ€rtig ist.

Johannes schreibt: »Am Anfang war das WORT, alles wurde durch es gemacht und nichts, was gemacht wurde, wurde ohne es gemacht.« In dem Moment, wo Gott das WORT sprach, wurde alles erschaffen, und Christus, der nichts anderes ist, als das WORT, ist also unsere Nahrung.

Als Jesus sagte: »Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben« (Jh 6,54), da sprach er nicht so sehr vom Brot und vom Wein, von ihrem konkreten, materiellen Aspekt, sondern von ihrer Bedeutung oben in der Welt der Symbole. Er wollte sagen: Wenn ihr nicht das Feuer esst, das aus mir herauskommt, das die Liebe ist und wenn ihr nicht mein Licht trinkt, das die Weisheit ist, so werdet ihr nicht das ewige Leben haben. Und wieder kommt man auf die Sonne zurĂŒck: Feuer essen und Licht trinken. Aber da man den Menschen immer konkrete Darstellungen der großen Wahrheiten geben muss, weil sie gedanklich nicht so weite Wege gehen können, um die Mysterien des Universums zu verstehen, hat man die Ideen aus ihrer abstrakten Welt herausgerissen und hat Ikonen, Kirchen, Statuen, Hostien gemacht. Was Jesus sagen wollte, wurde ĂŒbrigens von der Christenheit noch nicht richtig entschlĂŒsselt. Die Christen feiern mit Hostien die Kommunion, aber werden sie dadurch besser? Wenn ihr hingegen jeden Tag mit der Sonne die Kommunion feiert, mit dieser großen Hostie, die da vor uns ist und wenn ihr dieses hervorfließende, hervorsprudelnde Licht trinkt, dann werdet ihr das ewige Leben haben. Man muss also viel höher hinaufgehen, um den Sinn der Worte Jesu zu verstehen. Man sucht ihren Sinn immer zu tief unten. All diese Darstellungen, all diese Symbole sind gut und recht, ich bin auch nicht gekommen, um sie zu zerstören, sie mĂŒssen noch eine Zeit lang fortbestehen, aber die Menschen werden eines Tages verstehen, dass es nicht ausreicht, weil sie immer gleich schwach, unwissend, nachtragend, feige, verleumderisch und eifersĂŒchtig bleiben. Geht jetzt und esst und trinkt die Sonne, ihre WĂ€rme, ihr Licht und ihr werdet spĂŒren, wie euch wunderbares Leben durchströmt.

Die Nahrung von Seele, Geist, Herz und Verstand.

Habt weiterhin Hunger und Durst! Nicht physischen Hunger und Durst, nein, denn als Jesus sagte: »Selig, die ihr da hungert und dĂŒrstet…« (Mt 5,6), so sprach er nicht vom physischen Hunger, vom physischen Durst. Er sprach vom Hunger und Durst nach Wahrheit, nach Licht, nach Weisheit, nach Gerechtigkeit, nach Freiheit – bis man nur noch Hunger und Durst nach Licht hat. Die Seele hat Hunger und der Geist hat Durst. Die Seele isst Feuer und der Geist trinkt Licht. Feuer ist ein mĂ€nnliches Prinzip und die Seele ein weibliches Prinzip und jedes ernĂ€hrt sich von dem Element, das es ergĂ€nzt. Die Seele sehnt sich nach einem positiven, aktiven, dynamischen Prinzip und isst Feuer. Der Geist ist mĂ€nnlich und braucht das weibliche Prinzip, er trinkt Licht. Ebenso wie das mĂ€nnliche Prinzip das weibliche Prinzip hervorbringt, so bringt das Feuer das Licht hervor. Licht ist eine Äußerung, eine Ausströmung des Feuers. Wenn ihr Feuer entzĂŒndet, so erzeugt es Licht. Und je reiner die Materialien sind, die das Feuer nĂ€hren, desto feiner und reiner ist das Licht. Kein Rauch erscheint und keine SchwĂ€rze. Eine reine Seele ernĂ€hrt sich von reinem Feuer und ein reiner Geist ernĂ€hrt sich von reinem Licht.

Das Licht ist das Kleid des Feuers und deshalb hat das Licht immer eine Verbindung zur Materie. Oben, in den erhabenen Regionen, besteht eine Verbindung vom Licht zur Materie und vom Feuer zum Geist. Deshalb hat Gott, das Urfeuer, als Erstes das Licht erschaffen und das Licht hat danach die Welt erschaffen. Nichts wurde ohne das Licht erschaffen. In der Entwicklungsgeschichte des Kosmos, wie sie von den Eingeweihten dargestellt und ĂŒberliefert wurde, heißt es, dass zuallererst das Feuer war. Erst danach ist das Licht erschienen. Ihr fragt euch, ob das Feuer ohne Licht existieren kann. – Ja, das ursprĂŒngliche Feuer, das nicht manifestierte Feuer, ist nicht leuchtend. Damit sich das Feuer mit dem Licht verbindet, muss es sich manifestieren. In Wirklichkeit gibt es ĂŒberall Feuer: im Stein, im Wasser, in der Luft, doch dieses Feuer hat sich noch nicht manifestiert. Am Anfang war das Feuer, und das Feuer brachte das Licht hervor, jenes Licht, mit dem Gott die Welt erschaffen hat, wie es heißt.

Die Seele, die weiblich ist, ernĂ€hrt sich vom Feuer, das mĂ€nnlich ist, und der Geist, der mĂ€nnlich ist, ernĂ€hrt sich vom Licht, das weiblich ist. Ebenso bevorzugt der Verstand, der ein Sohn des Geistes auf einer niederen Ebene ist, eine weibliche Nahrung, weil er mĂ€nnlich ist und das weibliche Herz bevorzugt eine mĂ€nnliche Nahrung. Gerade die GefĂŒhle sind dynamische, mĂ€chtige KrĂ€fte; sind eine andere Art Feuer, das sich in den tieferen Regionen offenbart. Ja, das GefĂŒhl ist das umgekehrte Feuer, das heißt, es ist Wasser. Seht euch fließendes Wasser an, FlĂŒsse, GebirgsbĂ€che, WasserfĂ€lle; sie haben dieselbe Form wie Feuer, nur umgekehrt. Wasser ist nichts anderes als Feuer, das nach unten fließt. Der Verstand ernĂ€hrt sich von Gedanken, die weiblicher Natur sind. Ja, der Gedanke ist nicht so aktiv und dynamisch wie das GefĂŒhl, deshalb erkennt man ihn nicht so sehr als Wirklichkeit an. Was ist ein Gedanke verglichen mit dem GefĂŒhl? Er ist schwach, er tut nichts, er bringt nichts hervor, wĂ€hrend das GefĂŒhl eine enorme, ĂŒberwĂ€ltigende Kraft ist. In Wirklichkeit haben Gedanke und GefĂŒhl die gleiche Kraft, aber in unterschiedlichen Formen. Wasser ist scheinbar sanft, gehorsam, ihr könnt mit ihm machen, was ihr wollt: Ihr könnt es in die Hand nehmen und es rinnt weg, ohne euch etwas anzutun. Feuer hingegen…! Nun kann es aber sein, dass Wasser genauso mĂ€chtig ist wie Feuer, jedoch unter anderen Bedingungen.

Das Herz ernĂ€hrt sich von GefĂŒhlen und der Verstand von Gedanken. Doch in diesen beiden Regionen gibt es keine Reinheit. Man muss immer aussortieren, irgendwelchen Schmutz, irgendwelche Schlacken wegrĂ€umen. Die Reinheit befindet sich nur oben im Bereich der Seele und des Geistes.

Die Seele ernĂ€hrt sich von Feuer. Die Seele strebt nach dem Geist und ernĂ€hrt sich vom Feuer des Geistes. Und der Geist, der Feuer ist, ernĂ€hrt sich vom Licht der Seele. Und bewahrt jetzt immer diesen Gedanken in euch, vom kosmischen Geist, der Feuer ist und von der Universalseele, die Licht ist! BeschĂ€ftigt euch in euren Meditationen nur mit diesen beiden Prinzipien, dem mĂ€nnlichen und dem weiblichen Prinzip in ihren erhabensten Aspekten. Die grĂ¶ĂŸte Erleuchtung erwartet euch: jeden Tag in diese Region aufsteigen zu können und dort zu verbleiben – es gibt nichts Schöneres. Manche sagen: »Ja, aber das Feuer gefĂ€llt mir nicht und das Licht auch nicht…« Gut, dann ersetzt sie durch andere Wörter: Liebe und Weisheit zum Beispiel. Die Weisheit ist das Licht und die Liebe das Feuer. Also ersetzt von mir aus diese so »abscheulichen« Wörter Feuer, das alles verbrennt, und Licht, das so blendet, und genießt die Liebe und die Weisheit.

Dieser Text stammt aus dem Buch »Die neue Religion« von Omraam Mikhael Aivanhov, Kapitel 8: »Die Nahrung: Das WORT«.