Sucht nicht das Mühelose, sondern das,  was die spirituelle Entwicklung fördert

Bewusst oder unbewusst neigen die Menschen dazu, mit manchen Seelenzuständen schnell Schluss zu machen, andere dagegen in die Länge zu ziehen. Wenn man leidet und bekümmert ist, hätte man natürlich gerne, dass es schnell vorbeigeht. Ist man aber glücklich, dann möchte man, dass es ewig dauert. Das ist normal. Leider äußert sich diese Tendenz oft, wenn es nicht sein sollte, und sie nimmt nicht immer die richtige Richtung. Wenn es gilt zu arbeiten, sich anzustrengen, nachzudenken, sich mit dem Himmel zu verbinden, möchte man, dass es schnell vorbei ist. Aber wenn es sich um Essen, Trinken, Zeitvertreib und Vergnügen handelt, wird einem die Zeit nie zu lang. So allerdings verhält sich kein wahrer Spiritualist. Wenn er etwas Angenehmes empfindet, das ihn innerlich nicht bereichert, macht er mit dieser Empfindung kurzen Prozess. Aber wenn er eine Arbeit oder Anstrengungen machen muss, versucht er diese länger dauern zu lassen. Denn er hat erkannt, welcher Reichtum und welche Tiefe in jeder Bemühung verborgen liegen, während Freuden und Vergnügungen oft nur dazu dienen, ihn zu betäuben, schwach zu halten oder von der Wahrheit abzulenken.

Gewöhnt euch also an, vor jeder sich euch bietenden Möglichkeit Folgendes zu fragen: ‚Wird dadurch meine Entwicklung gefördert?‘ Wenn ihr seht, dass nichts Gutes daraus erfolgt, dass es Zeit- und Energieverschwendung bedeutet, so haltet euch nicht damit auf. Das Leben bietet alle möglichen Versuchungen, und wenn man sich noch nicht so beherrscht, dass man ihnen widerstehen kann, unterliegt man bald. Hinterher bereut man es, weil man vor die eigene Schwäche und Herabsetzung gestellt wird. Viele Irrtümer könnten vermieden werden, fragte man sich vor jedem Abenteuer: ‚Wenn ich dieses oder jenes tue, befriedige ich meine Wünsche; gut, aber wie wirkt es sich auf mich und meine Umgebung aus?‘ Wer sich nicht so in Frage stellt, ist danach erstaunt über das, was ihm geschieht. Er braucht nicht erstaunt zu sein, denn die Konsequenzen waren doch vorherzusehen.

Aus dem Buch »Goldene Regeln für den Alltag« von Omraam Mikhaël Aïvanhov, Kapitel 50