Die sicherste Zuflucht: das Gebet

Durch das Gebet erheben wir uns bis in die Lichtwelt, in welche der Herr alles legte, was wir für Gleichgewicht, Frieden und Entfaltung brauchen. Möglicherweise weiß der Herr selbst nicht, dass wir etwas brauchen; und es ist übrigens auch gar nicht nötig, dass Er es weiß: Da uns dort alles zur Verfügung steht, obliegt es uns, diese Regionen zu erreichen und aus ihnen alle Elemente herauszuholen, die unser Herz und unsere Seele ersehnen – oder gar in ihnen Zuflucht zu finden. Ein Bild soll das veranschaulichen: ihr werdet von Feinden verfolgt und lauft so schnell ihr könnt, um ihnen zu entkommen. Endlich geratet ihr völlig staubig und außer Atem in eine Versammlung von Menschen hinein, die gerade essen, trinken und sich an Gesang, Tanz und Wohlgerüchen erfreuen. Keiner sagt zu euch: ‚He, du, was machst du denn da? Du bist hier nicht erwünscht, geh fort!‘, sondern im Gegenteil, man empfängt euch, gibt euch das Nötige zum Waschen und saubere Kleider und lädt euch zum Festmahl ein. Indessen bleiben eure Feinde vor der Türe und können euch nicht schaden. Nun, so wirkt das Gebet: ihr lauft und lauft, d.h. ihr entgeht den schädlichen Strömen und bösen Wesenheiten, die euch verfolgen, und gelangt an einen Ort, an dem der Herr in Begleitung von Engeln, Erzengeln und allen göttlichen Wesen weilt. Der Herr ist gern bereit, euch mitten unter ihnen zu empfangen. Ihr bleibt dort, solange ihr es wünscht; und eure Feinde müssen mit leeren Händen den Rückzug antreten. Ihr selbst kehrt glücklich und befriedigt nach Hause zurück.

Wenn ihr euch also in Zukunft unglücklich oder verwirrt fühlt, jammert und klagt nicht bei allen, nehmt keine Beruhigungs- oder Aufputschmittel, sondern versucht vielmehr, die Region zu wechseln, nehmt eben Zuflucht zum Gebet – einem wunderbaren und wirksamen Mittel, das uns die größten Meister gelehrt haben. In den schlimmsten Situationen denkt daran, dass nichts jemals endgültig ist und dass man nur darauf bedacht sein muss, den Ort zu wechseln. Ja, den Ort wechseln. Der Herr sucht euch nicht dort auf, wo ihr euch befindet, Er holt euch nicht aus der Hölle heraus, um euch in den Himmel zu heben. Ihr selbst solltet euch die Mühe machen, euch bis zu Ihm emporzuschwingen.

Aus dem Buch »Goldene Regeln für den Alltag« von Omraam Mikhaël Aïvanhov, Kapitel 100