Öffnet euch den anderen und ihr seid nicht mehr einsam

Viele Menschen klagen über Einsamkeit. Obwohl sie von vielen Personen umgeben sind, fühlen sie sich einsam. In Wirklichkeit werden sie durch ihre eigene Haltung isoliert: sie können sich nicht öffnen, sie können nicht lieben, sie bringen es nicht fertig, ein paar ermutigende oder tröstende Worte zu sagen; sie sind unfähig zu geben; sie erwarten immer, dass die anderen auf sie zugehen. Aber die anderen sind oft sehr beschäftigt, sie haben auch ihre Sorgen… Deshalb hört man überall nur Klagen: ‘Niemand besucht mich, niemand liebt mich, keiner interessiert sich für mich’. Und warum sollten es immer die anderen sein, die sie lieben und sich für sie interessieren? Wenn ihr unter Einsamkeit leidet, so bleibt nicht untätig dastehen. Anstatt euch in einer Ecke vor Kummer zu verzehren und auf die Aufmerksamkeit und die Liebe der anderen zu warten, macht selbst den ersten Schritt, geht auf sie zu. Wenn Licht und Liebe da sind, hat man keinen Grund, sich einsam zu fühlen. Fühlt ihr euch einsam, so deshalb, weil ihr das Reich der Liebe und des Lichtes verlassen habt.

Wie oft habe ich schon darauf hingewiesen, dass ihr eure egozentrische Haltung aufgeben sollt, um etwas für die anderen zu tun. Natürlich liegt die Schuld oft in der genossenen Erziehung. ‘Sei nicht dumm, mach’ nicht immer den ersten Schritt, lass’ die anderen auf dich zukommen’, raten die Eltern ihren Kindern. Natürlich kommen die Leute vielleicht auf sie zu, aber erst dann, wenn sie etwas erwarten. Wenn ihr Bäcker seid, kommt man bei euch Brot kaufen. Um bei anderen gefragt zu sein, muss man fähig sein, etwas zu geben. Wer nichts zu geben hat, der zieht auch keinen an und bleibt alleine. Ihr dürft es den anderen nicht vorwerfen, wenn sie nicht auf euch zukommen. Seid liebenswürdig und seht, wie sie kommen. Schaut eine aufgeblühte Rose an, sie verbreitet einen köstlichen Duft und alle kommen heran, um an ihr zu riechen, sogar Bienen und Schmetterlinge – weil sie offen ist. Warum bleibt ihr also verschlossen und ohne Duft?

Aus dem Buch »Goldene Regeln für den Alltag« von Omraam Mikhaël Aïvanhov, Kapitel 93