Lernt, über das Gesetz der Gerechtigkeit hinauszugehen

Hat euch jemand Schaden zugefügt? Das berechtigt euch nicht dazu, Rache an ihm zu nehmen. Ihr entgegnet: ‚Aber ich möchte nur die Gerechtigkeit wiederherstellen!‘ Nein, eine so verstandene Gerechtigkeit ist die Quelle allen Übels. Der Erstbeste bildet sich ein, im Namen der Gerechtigkeit die einen bestrafen und den anderen eine Lehre erteilen zu können… Lasst die Hände davon! ‚Aber was sollen wir dann tun?‘ Auf ein Prinzip zurückgreifen, das über der Gerechtigkeit steht: das Prinzip der Liebe, der Güte und Großzügigkeit. Schon vor zweitausend Jahren brachte Jesus diese neue Lehre, aber die Christen handeln immer noch nach dem Gesetz Moses: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘. Sie haben noch nicht begriffen, dass man nicht mehr so sehr danach trachten soll, das Gesetz der Gerechtigkeit anzuwenden, Rache zu nehmen, um wahrhaft groß und wirklich frei zu sein. Die Rache ist eine alte, urtümliche Methode, die nichts löst: im Gegenteil, sie kompliziert alles und vermehrt die karmischen Schulden.

Ihr habt jemandem etwas Gutes getan, ihr habt ihm geholfen, ihn unterstützt und eines Tages entdeckt ihr, dass er eure Hilfe nicht verdiente. Nun, ihr sollt diese Situation akzeptieren: sucht nicht nach Vergeltung, versucht nicht, ihn zu bestrafen und verbreitet diese Geschichte nicht überall! Wann entschließt ihr euch endlich, großzügig und erhaben zu sein? Man sollte ein wenig die Augen verschließen, vergessen und verzeihen; so wächst man und wird stärker. Ihr solltet auch wissen, dass euch eines Tages das Verlorene hundertfach zurückgegeben wird. Wenn ihr aber versucht, euch zu rächen, löst ihr damit so viele negative Kräfte aus, dass sie eines Tages auf euch zurückkommen und euch niederdrücken.

Wollt ihr eurem Feind wirklich eine Lektion erteilen, dann kümmert euch nicht mehr um ihn und beginnt eine langwierige Arbeit an euch selbst: betet, meditiert, lernt und übt euch bis zu dem Tag, an dem ihr endlich die wahre Weisheit und Macht besitzt. Und wenn ihr ihm später wieder begegnet, wird er mit Verblüffung eures Lichtes und eurer Kraft gewahr werden. Dann begreift er, dass er sich nur erniedrigte, während ihr daran arbeitetet, weiser, großzügiger und selbstbeherrschter zu werden, und er schämt sich.

Wichtig ist nur, an euch zu arbeiten, euch mit allem Konstruktiven, Reinen und Göttlichen zu beschäftigen. Das erfordert natürlich viel Liebe, Geduld und Licht, aber ich kenne keine wirksamere Methode. Es gibt ein Gesetz, nach dem jeder für das Böse, das er tat, bezahlen muss, und alle, die euch schadeten, werden eines Tages gezwungen sein, zu euch zu kommen, um den Schaden wieder gut zu machen. Es kann sein, dass ihr sie loswerden wollt, weil ihr intuitiv spürt, dass sie früher eure Feinde waren. Aber das ändert nichts, sie bleiben weiterhin bei euch und bitten euch, ihre Dienste anzunehmen. Denn so ist das Gesetz: alle, die euch schadeten und denen ihr es nicht mit Bösem heimgezahlt habt, werden wohl oder übel gezwungen sein – denn ihre Ansicht zählt nicht – eines Tages zu euch zu kommen, um den früher angerichteten Schaden wieder gut zu machen.

Aus dem Buch »Goldene Regeln für den Alltag« von Omraam Mikhaël Aïvanhov, Kapitel 68