Gebt der Praxis den Vorzug

Versucht zwischen der spirituellen und der intellektuellen Arbeit besser zu unterscheiden. Nehmt eine Orange; intellektuell könnt ihr eine Menge über sie erfahren: ihr Herkunftsland, ihre Geschichte, ihr Gewicht, ihre Form, ihre Eigenschaften, die chemischen Elemente, aus denen sie zusammengesetzt ist, die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten, sogar ihre Symbolik… In einer Einweihungsschule lernt ihr möglicherweise nichts von all dem, dafür lernt ihr aber das Wesentliche: die Orange zu kosten! Das ist die spirituelle Arbeit: nicht so viele theoretische Kenntnisse anhäufen, sondern die Orange ‚essen‘, d.h. praktizieren. Dies ist schwieriger und verlangt Anstrengungen, aber nur so kann man sich verwandeln.

Es kann natürlich nicht geleugnet werden, dass es interessant, ja sogar nützlich ist zu erfahren, wie sich die Menschen seit Jahrhunderten und Jahrtausenden bemühen, die Geheimnisse des Universums aufzudecken und sich dem Göttlichen zu nähern, aber das genügt nicht. Da Religionen und philosophische Systeme nur von unserer Vergöttlichung, von unserer Herrlichkeit, von unserer Vervollkommnung sprechen, muss man sich anstrengen, um dieses Ideal zu erreichen. Ihr solltet nicht all jene Leute nachahmen, die zu gelehrten Vorträgen über Weisheit und Wissen früherer Eingeweihter eilen und dabei übersehen, dass sie selbst klein, unbedeutend und schwach sind, unfähig, ihr Leben vernünftig zu führen. Das ist lächerlich und hat mit Spiritualität nichts zu tun.

Aus dem Buch »Goldene Regeln für den Alltag« von Omraam Mikhaël Aïvanhov, Kapitel 20