Nutzt eure Sympathien als auch eure Antipathien

Sympathie und Antipathie sind natürliche Gemütsbewegungen, die auch der Weise kennt. Doch der Unterschied zwischen einem Weisen und einem gewöhnlichen Menschen liegt darin, dass der Weise seine Antipathien beherrscht und sich nicht blind seinen Sympathien hingibt. Er weiß, dass die einen wie die anderen von Erlebnissen aus anderen Inkarnationen herrühren – Erlebnissen mit Menschen, die ihm in diesem Leben wieder begegnen -, und dass sie ihm folglich keine objektive Auskunft über diese Menschen geben können. Daher versucht er, gegenüber den ‘Unsympathischen’ gütig zu sein, und die Fehler und Mängel der ‘Sympathischen’ nicht zu übersehen.

Auch ihr solltet euch nicht gedankenlos euren Sympathien und Antipathien hingeben, sondern lernen, sie zu benützen. Wenn euch jemand sympathisch ist, so denkt an ihn, damit dieser Gedanke euch Freude und Mut bringt. Ja, jemand der euch sympathisch ist, wirkt positiv auf euch, und ihr könnt die gute Verfassung, in die ihr dadurch kommt, nützen. Ihr fragt: ‘Und was ist mit dem Unsympathischen?’ Nun, auch mit dem lässt sich etwas machen. Ihr sollt euch sagen: ‘Mein Lieber, da wartet eine Aufgabe auf dich!’ und ihr übt euch darin, ihn zu ertragen, statt die Flucht zu ergreifen oder ihm schlechte Gedanken zu schicken!

Dank eurer Bemühungen macht ihr spirituelle Fortschritte, weil es euch gelingt, die niedere Natur zu besiegen, welche immer bereit ist, euch in Kämpfe, Missverständnisse und Komplikationen hineinzuziehen. Dann betretet ihr eine Welt der Schönheit und des Lichtes und stellt bald fest, dass alles sich verändert. Denn all jene, die ihr vorher kalt und feindselig anschautet, spüren, wie sich euer Blick verändert hat, und beginnen euch zu lieben.

Ja, es bieten sich immer wieder Gelegenheiten zur Arbeit an der eigenen Vervollkommnung. Warum sie nicht nützen? Leider bleibt ihr bei euren Sympathien und Antipathien und unternehmt nichts. Nun solltet ihr eben damit arbeiten, da ihr wisst, dass diese Impulse für unsere spirituelle Entwicklung genützt werden können.

Aus dem Buch »Goldene Regeln für den Alltag« von Omraam Mikhaël Aïvanhov, Kapitel 70